Sumpfwiese oder Dorf an Straße

Der Ortsname Moorenweis

Die Gemeinde Moorenweis leitet ihren Ortsnamen auf ihrer Webseite von Moor-Wiese her. Aber hat sie damit recht?
Und was kann das mit Altwegen zu tun haben?

Ersterwähnung

Die Gemeinde beruft sich bei ihrer Deutung auf eine Wessobrunner Urkunde von 753, in der der Ort „Moarawies“ genannt werde. Das Kloster gibt aber 817 als erste urkundliche Erwähnung an. Die genannte Urkunde ist leider nicht genauer benannt und so kann die Behauptung nicht überprüft werden.

Toni Drexler verweist darauf, daß Moorenweis unglücklicherweise zum Bistum Augsburg gehört. Das dortige Bischöfliche Archiv wurde im 10. und 11. Jahrhundert mehrfach abgebrannt. Daher wissen wir fast nichts über die spätantike und frühmittelalterliche Geschichte dieses Landstrichs. Entsprechend sind die Erstwähnungen seiner Ort sehr spät. Die früheste Erwähnung, die Toni Drexler gefunden hat, ist von 1140 ff. in Wessobrunner Urkunden. In diesen Jahren variierte die Schreibweise zwischen Morenwis, Morenuuis, Morenweis, Mornswiß.
In Diessener Urkunden von 1242 bis 1354 tauchen diese Schreibweisen auf: Morenwis, Morenweiss, Morewis.

In der Uraufnahme haben wir etliche Schreibweisen: „Mornweis“, „Morrenweis“, „Morraweis“.

Mooren-

Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache; Walter de Gruyter, Berlin, 1989

schreibt, daß das Wort \”Moor\” erst im 17. Jahrhundert aus dem Niederdeutschen in die Hochsprache gelangt sei. Im Süddeutschen ist noch heute \”Moos\” oder evtl. noch \”Filz\” der gebräuchliche Ausdruck für ein \”Moor\”. Die meisten bairischen Orte mit \”moor\” (Kolbermoor (1860), Haspelmoor (1853), Sanimoor bei Iffeldorf (1922) etc.) sind auch sehr junge Industrieorte, die entlang neu errichteter Eisenbahnstrecken gegründet wurden.

Also ist es eher unwahrscheinlich, daß \”Mooren-\” von Moor kommt. Was könnte das \”Mooren-\” dann bedeuten? Diverse Orte mit ähnlich klingenden Namen leiten ihren Namen so her:

  • Murn- und Mörn-Orte hatten römisches Mauerwerk bei ihrer Gründung. Ihr Name kommt dann von lat. murus (Mauer). Römische Relikte hat man in Moorenweis aber bislang nicht gefunden. [Freutsmiedl: Bayerns Sprung in die Geschichte]
  • Mörmoosen wird in https://www.lra-aoe.de/ortsnamen/moermoosen hergeleitet von Sumpf: (Mörn, vom ahd. und mhd. muor, morîn = sumpfig, moorig nasser Grund)
    (Mundartlich allerdings „Miamosn“ ausgesprochen.) Wenn diese Quelle recht hat, dann kam \”Moor\” doch schon früher in das Hochdeutsche. Allerdings wäre das ja dann eine eigenartige Dopplung, was die Deutung nicht sehr überzeugend macht.
  • Ein schweizer Ort \”Mohren\” leitet sich von Mohren her im Sinne von \”Dunkelhaarige Bewohner/Besitzer\” etc.: https://search.ortsnamen.ch/de/record/1004124
  • Murnau wurde früher Murninsowe, Murnouve, Murnawa genannt – aber was für eine Aue war das nun?

Fazit: Unklare Herkunft. Wir bräuchten einen Germanisten, der da mal genau drauf schaut.

-weis

Irmtraut Heitmeier: „Das planvolle Herzogtum – Raumerschließung des 6. – 8. Jahrhunderts im Spiegel der Toponymie“; in: Jochen Haberstroh; Irmtraut Heitmeier (Hrsg.): „Gründerzeit – Siedlungen in Bayern zwischen Spätantike und Frühmittelalter“; EOS Verlag, St. Ottilien, 2019

stellt ein paar Thesen über Ortsnamen und die daraus herleitbare Siedlungsgeschichte auf. Sie bietet jeweils eine Menge Indizien auf und macht das halbwegs überzeugend. \”Moorenweis\” ist demnach ein Beispiel [Seite 593] für eine ganze Reihe von Orten, die auf -wiech, -weis etc. enden. Der Name kommt demnach von *wîhs (langgezogenes „i“, althochdeutsch für „Dorf“ haben). Da das Wort *wîhs später unüblich wurde, müßte die Ortsgründung vor 550 n. Chr. gewesen sein.

Laut Frau Heitmeier sind die *wîhs-Dörfer

  • gehäuft an den Rändern der alten RAETIA SECUNDA und
    rund um Augsburg und
  • entlang von überregionalen wichtigen Wegen. Und sie traten
  • öfter [S. 617] in der Nähe von Orten mit diesen Namensbestandteilen auf:
    • -beuern
      Das kommt wohl vom althochdeutschen bûr, das ein einräumiges Gebäude (oft zum Lagern) bezeichnete. Überlebt hat es nur noch im „Vogelbauer“ [wer jetzt an die englische Scheune „barn“ denkt, liegt falsch. Die kommt angeblich vom alten englischen Wort für „Gerste“: „bere“ – wie auch heute noch eine schottisch/norwegische Gerstenart heißt.]
    • Obst [S. 611], also Orte mit „Pflaume“, „Birne“, „Schlehe“, „Apfel“ im Ortsnamen, auf

Die Standorte waren natürlich die spätantiken und frühmittelalterlichen Hotspots der Grenz- und Herrschaftssicherung. Ihr Verdacht ist daher, daß diese Orte vom frisch eingesetzten Herzog (oder sogar noch vor der Herzogtumbildung) geplant errichtet wurden als militärische Orte. Zur Versorgung habe man Obstgärten und Lagerhäuser in der Nähe errichtet.

Paßt das für 82272 Moorenweis?

  • Moorenweis liegt im weiteren Umkreis von Augsburg (30 km entfernt).
  • Eine bedeutsame Straße liegt halbwegs in der Nähe (die Römerstraße Richtung Salzburg liegt 2 km nördlich vom Ort).
  • In erlaufbarer Entfernung (10 km) befinden sich die Orte
    • 86926 Pflaumdorf (Eresing)
    • 86922 Beuern (Eresing)
    • [Und 1,8 km südlich von Moorenweis befindet sich das Flurstück \”Bierweg\” westlich von Brandenberg. Einen Weg dazu konnten wir nie nachweisen – vielleicht kommt der Name ja von einem abgegangenen Dorf.]

Es ist etwas schwer vorstellbar, daß die Versorgungsdörfer 10 km vom Wehrdorf entfernt sind und das Wehrdorf ganze 30 km entfernt von der zu schützenden Stadt bzw. 2 km von der zu schützenden Straße errichtet wurden. Aber wenn man das für sinnvoll hält, dann würde Moorenweis in dieses Muster passen.

Altwegesuche mit Ortsnamen

Laut Frau Heitmeier müßte man bei diesen Ortsnamen-Bestandteilen an sehr früh gegründete Orte denken und in der Nähe nach überregionalen Straßen Ausschau halten:

  • -dorf (die alten Orte mit -dorf sind meist östlich des Inns und an der Isar)
  • -beuern
  • Pflaum-, Prun-, Birn-, Bier-, Schlehen- etc.
  • -wiech, -weis, -wies
  • -feld bzw. Feld-
  • -weil
  • -gau (gehäuft an Zubringern zur Via Claudia)

Aber wie das Beispiel Moorenweis zeigt, kann man jeweils im Umkreis von 30 km nach Altwegen suchen. Vermutlich decken diese Umkreise fast die gesamte Fläche Baierns ab. Somit ist mit dieser Methode leider nicht viel gewonnen für die Altwegesuche.

Fürstenfeld als Militärstandort?

Ein weiterer solcher Ortsname könnte übrigens unseren Landkreis betreffen. Frau Heitmeier meint, daß das lateinische Campus (wie es in der Ersterwähnung von Fürstenfeld als „campus principis“ [wörtlich übersetzt \”Fürstenfeld\”] vorkommt) mindestens in Spätantike/Frühmittelalter die Bedeutung von Kampfplatz/Truppensammelplatz/Militärisches Übungsgelände hatte. Unser Wort „Kampf“ kommt auch von \”Campus\”. Orte, wie „Feldkirchen“, lägen demnach an gut erreichbaren (Militär-)Straßen und außerhalb der normalen Besiedelung. Es wäre interessant zu wissen, ob unser „campus principis“ vor seiner Nutzung als Militärpferdegestüt (Remonte) und später Feldlazarett auch schon eine militärische Bedeutung hatte. Dann wäre das \”Fürstenfeld\” nicht der Acker des Fürsten, sondern die freie Fläche, an der sich des Fürsten Krieger trafen. [Verdacht: Das wäre dann eher nach 1000 gewesen, denn die frühmittelalterlichen Fürsten hießen meist \”comes\”, was wohl eine Art militärischer Rang war (siehe dazu Wilhelm Störmer: \”Früher Adel\”, S. 392 ff.). Allerdings beschreibt Philippe Depreux in \”Auf der Suche nach dem Princeps in Aquitanien\”, daß ab dem 8. Jhr. (womöglich auch erst im 9. Jhr.) an der fränkischen Peripherie [und somit auch in Baiern] Herzöge als \”princeps\” bezeichnet werden konnten. Der Herzog (\”dux\”) hätte demnach einen Ehrentitel \”princeps\” erhalten können. Dann könnte der \”campus principes\” auch schon im 9. Jhr. ein Heerlager gewesen sein.]

Erwähnungen von Moorenweis

Hier ist die Liste der Erwähnungen des Ortes Moorenweis, die Toni Drexler erstellt hat:

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Urkunden, die Moorenweis erwähnen. Zusammengetragen von Toni Drexler.

1 Kommentar zu „Sumpfwiese oder Dorf an Straße“

  1. Pingback: Moorenweis – Version 2 – Altwege im Landkreis Fürstenfeldbruck

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