Matrikelbücher als Quelle

Da es ja das Gerücht gibt, daß in einem Schöngeisinger Kirchenbuch der Brandenberger Mühlweg erwähnt werde, sei hier einmal dargelegt, wie man so ein Kirchenbuch recherchieren kann.

Matrikelbuch ist ein Synonym für Kirchenbuch. Die Katholischen Archive schreiben dazu:

Während die frühen Kirchenbücher Aufzeichnungen verschiedener Art, etwa Chronikalisches, Wirtschaftliches, Einwohnerlisten etc. enthalten, teilen sich die Matrikelbücher v. a. in die Taufbücher, Trauungsbücher und Sterbebücher. Daneben gibt es etwa Firmungsbücher, Erstkommunionverzeichnisse und Familienbücher. Oft sind mehrere solcher Kategorien bis in das 18. Jahrhundert noch in einem Buch vereinigt, was die Übersicht für die Forscher erschwert. Erst seit dem 19. Jahrhundert gibt es zunehmend standardisierte Formulare. Grundsätzlich werden die älteren Kirchen- bzw. Matrikelbücher, die in der laufenden Pfarrverwaltung nicht mehr benötigt werden, im jeweiligen Bistumsarchiv gesichert und – i.d.R. über Filme und Digitalisate – benutzbar gemacht. Ein je nach Bistum unterschiedlich großer Anteil liegt z. Z. noch bei den Pfarrämtern.

Wer also in einem Kirchenbuch recherchieren will, muß erst einmal das zugehörige Bistum kennen, um das zugehörige Archiv zu identifizieren.

Beispiel Schöngeising

Schöngeising gehört beispielsweise zum Erzbistum München.

Es gibt eine Liste der Im Archiv des Erzbistums München und Freising deponiertePfarrarchive. Dort ist Schöngeising leider nicht vermerkt.

Aber in der Liste der digitalisierten Kirchenbücher des Erstbistums München:

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Da hat man also eine schöne Auswahl. Manchmal sind Seiten geschwärzt (vermutlich immer die jüngsten Seiten, manchmal – womöglich versehentlich – auch ältere Seiten).

Im Mischband (also Taufen, Trauungen und Todesfälle in einem Buch) CB417, M6569 von 1785 bis 1867 findet man beispielsweise diese Zeile:

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Schöngeisinger Kirchenbuch CB417, M6569 von 1785 bis 1867 ; Quelle: Archiv des Erzbistums München und Freising

Exkurs: Deutsche Schrift

Da ist man nun mit der \”Deutschen Schreibschrift\” bzw. \”Deutschen Kurrentschrift\” konfrontiert. Die gesamte Neuzeit über hat jeder so geschrieben. Erst 1911 wurde sie in den Grundschulen durch die rundere \”Sütterlinschrift\” abgelöst. 1941 haben die Nationalsozialisten dann die Fraktur-Druckschriften und die Deutsche-/Sütterlinschrift durch lateinische Schriften abgelöst (da sie ganz Europa beherrschen wollten und daher ein überall lesbare Schrift benötigten – ein Vorgang der große Parallelen zur Durchsetzung der \”Karolingischen Minuskel\” durch Karl dem Großen hat).

Die Spaltenüberschriften

  1. Name des Kindes
  2. Art der Geburt, todt oder lebendig, Name der Hebamme
  3. Vor- u. Geburts-Name des Vaters
  4. Stand und Religion
  5. Landgericht, Aufenthalts-Ort, Nummer des Hauses
  6. Vor- u. Geburts-Name der Mutter
  7. Stand und Religion
  8. Landgericht, Aufenthalts-Ort, Nummer des Hauses
  9. Zeit der Geburt, Jahr, Monat, Tag u. Stunde
  10. Tauftag – Ort – u. Landgericht
  11. Pfarrer oder dessen Stellvertreter
  12. Taufpaten, Vor- u. Geschlechts-Name, Stand u. Aufenthaltsort
  13. Stellvertreter mit Vor- u. Geschlechtsnamen, Stand, Aufenthaltsort

\”Geschlechtsname\” ist zumindest in der Schweiz ein Synonym für \”Familienname\”.

Eine Beispielzeile mit einem Müllers-Kind

Weil die Schöngeisinger Mühle ja ein mögliches Ziel der Brandenberger auf dem Brandenberger Mühlweg war, greifen wir uns die Geburt eines Kindes eines Müllers heraus:

  • Name: Ignatz
  • Vater: Ignatz Lanz [?]
  • Stand: Müller
  • A[ufenthaltsort]: Buchheim [heute 82178 Puchheim(-Ort), wo es tatsächlich eine Mühle und eine Sägemühle gab]
    L[andgericht]: Starnberg
  • Mutter: Maria Marx [?] [durchgestrichen und ersetzt durch] Rothar[?] Wimmer
  • Stand: Fischerstochter [mit der gleichen Tinte, wie bei R. Wimmer]
  • A:
    L:
  • Geburtstag: 19ter März 1785
  • Tauftag: Idem [für \”derselbe\”]
  • Taufpate: Ignatz Sch[?]
    a. h.
  • Mutter soll Rothari[?]a Wimmer

Also hat offenbar ein auswärtiger Müller eine ansäßige Fischerstochter unehelich geschwängert. Normal ist es anders herum, aber hier war offenbar anfangs der Name der Mutter unklar.
Zumindest für mich sehr schwer bis gar nicht zu entziffern und insgesamt rätselhaft. Auch, weil der Pfarrer die Hausnummer weggelassen hat.

Vor diesem Hintergrund ist die Leistung von Josef Kiening gar nicht laut genug zu preisen, der etliche von diesen Kirchenbüchern transkribiert hat und in einer Datenbank mit Querverweisen recherchierbar gemacht hat.

1 Kommentar zu „Matrikelbücher als Quelle“

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