Kartographierung Bayerns

Wir wir bereits sehen konnten genügt es nicht in einen alten Atlas zu blicken, um alte Wege zu finden.

Zeit bis zum 18. Jahrhundert

Bayern wurde durchaus schon früh kartographiert und streckenweise auch sehr systematisch und gut (z. B. durch Philipp Apian mit seiner \”Großen Karte von Bayern\” von 1563, von der nur noch ein paar handgezeichnete Kopien erhalten sind und vor allem seinen 24 \”Bairischen Landtafeln\” im Maßstab 1:144.000 von 1566). Auch Johannn Baptist Homann erstellte eine ähnliche Karte.

Die Auswahl der Orte erscheint uns heute manchmal kurios. Erzlach hatte wohl eine Kapelle – aber viel größer als heute war dieser Weiler wohl nie. \”Brandenburg\” (sic!) steht dort neben \”Moraweiß\”, Albertshofen, Römertshoven, Yesewang etc.

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Bairische Landtafel #17 (Ausschnitt) von Philipp Apian, 1566 mit einem Wildgehege in Geising (noch ohne \”Schön-\”)

Mit wenigen Ausnahmen – vor allem in Franken – muß man aber leider sagen, daß die Wege auf den Karten fehlen. Das änderte sich erst, als das Militär Karten zeichnen ließ.

Schmittsche Karte von Südwestdeutschland von 1797

Adrian von Riedl kartographierte unter Heinrich von Schmitt unser Gebiet. Eine Karte, die das österreichische Militär anfertigen ließ. Hier sieht man Wege – allerdings keinen durchgehenden \”Brandenberger Mühlenweg\”.

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Schmittsche Karte von Südwestdeutschland, 1797

Carte de la Bavière von 1801 – 1818

Die französische Militärkarte blieb unvollständig – unser Landkreis ist aber erfaßt (ausspioniert?) worden. Erstaunlich ist, daß hier westlich von Schöngeising über weite Strecken der Wald fehlt. War das tatsächlich so in diesen Jahren?

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Carte de la Baviere, 1:100.000, aufgenommen 1801-1806

Kartographie unter Kurfürst Max IV.

Kurfürst Max IV. ließ 1801 ein \”Topographisches Bureau\” gründen, um – basierend auf den Vorarbeiten der napoleonischen Besetzer/Verbündeten – Bayern vollständig kartieren zu lassen. 1808 ordnete er zusätzlich die Vermessung aller Grundstücke an; das wurde das Grundbuch mit seinen Flurkarten. Bis 1864 dauerte es alle 21 Millionen (andere Quellen sprechen von 19 Millionen) bayerische Grundstücke zu vermessen.

Positionsblätter (1:25.000) von 1817 – 1841

Sie waren ursprünglich nicht zur Vervielfältigung bestimmt. Sie dienten vielmehr dem Kupferstecher als Vorlage für die Bearbeitung des \”Topographischen Atlas vom Königreich Bayern\”. Glücklicherweise blieb das Kartenwerk bis in unsere heutige Zeit fast vollständig erhalten. Wenn man zurückzoomt kann man die unterschiedliche Färbung jedes Blattes sehen. Bei dem Maßstab sind natürlich deutlich weniger Wege erfaßt.

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Positionsblätter 1:25.000

Uraufnahme (1:5.000) von 1808 – 1864

23.000 Druckblatten wurden mit Sollnhofener Plattenkalk litographiert. Die Originale sind also große Steinplatten. Jede Platte wiegt 60 kg. Alle 15 Jahre wurden Veränderungen im Stein nachgekratzt. Klingt nach Fred Feuerstein, war aber damals der optimale Reproduktionsweg. Das sind die ersten Flurkarten. Das heißt aber auch: Wer den ältesten Stand sehen will, der braucht frühe Drucke.

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Detail eines Uraufnahmeblattes

2 Kommentare zu „Kartographierung Bayerns“

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