Hohlwege vermessen

In einem schmalen Bändchen

Bernd Hofmann: Saumtier, Ochsenkarren oder Pferdewagen – Ein Verfahren zur Bestimmung von Fahrzeug-Spurweiten in Muldenhohlwegen von Altstraßen; Grin-Verlag, Norderstedt, 2017; ISBN 978-3668428980

beschreibt der Autor ein verlockend einfaches Verfahren, um die ursprüngliche Spurweite eine Hohlweges zu bestimmen.

Das Verfahren

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Hohlwegspurbreite bestimmen nach Bernd Hofmann.

Wenn man die mathematische Herleitung wegläßt bleibt ein sehr einfaches Verfahren. Bemerkenswert ist, daß es hierbei egal ist, wieviel Humus sich über die Jahrhunderte über den Hohlweg gelegt hat. Das Verfahren geht dabei von ein paar Annahmen aus:

  • Die Rad-Felgen-Breite war 3,7 cm (ein halber (römischer) PALMUS)
  • Der Neigungswinkel der Flanken beträgt in 20 cm Höhe 30°
  • Die Humusschicht (die nach der Nutzung hinzukam) ist an den Flanken und am Boden gleich hoch

Wenn diese Annahmen im Einzelfall nicht zutreffen, dann kann mit einer vorliegenden Formel auch mit anderen Werten rechnen.

Einschränkung: Trapezförmige Geleitsstraßen

Diese Methode funktioniert nur bei den klassischen \”muldenförmigen\” Hohlwegen. Die Geleitsstraßen sind trapezförmig bzw. Kastenhohlwege: Sie sind also breit und haben steile gerade Flanken.

1495 beschlossen die Könige und Kaiser Maximilian I. den \”Ewigen Landfrieden\”, der den jeweiligen Landesherren die Pflicht auferlegte, für Sicherheit auf den Straßen zu sorgen. Nach Aussagen des Autors (leider ohne Quellenangabe) führte das dazu, daß auf Kaiserlichen Straßen, Heerstraßen, etc. Geleitpersonen (oder gar Berittene \”Geleitsreuter\”) neben den Kutschen gingen/ritten. Dazu mußten diese Hohlwege dann verbreitert werden.
[Tatsächlich sichert der Ewige Landfriede nur erstmalig das Gewaltmonopol des Staates. Er verpflichtet aber nicht zu aktiven Sicherheitsmaßnahmen oder zum proaktiven Schutz der Reisenden. Da muß es noch eine andere Verfügung gegeben haben.]

Spurbreiten

Die Annahme ist, daß die Römer (und vermutlich bereits vor ihnen die Kelten) ein Grundmaß hatten: den PALMUS= 1/4 römischer Fuß = 7,4 cm.

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Der PALMUS ist aber nicht (wie man vom Wort her annehmen könnte) eine \”Handbreit\” oder die \”Breite der Handfläche\”, sondern die Breite von 4 Fingern gemessen an der schmalsten Stelle der Hand.

Ein römischer Radreifen war 1/2 PALMUS breit = 3,7 cm. Für den römischen (und mittelalterlichen) Hohlwegebauer haben die Spurweiten zwischen den Innenkanten der Radreifen gemessen. Wir messen dagegen heute die Spurweite jeweils von den Mitten der Radreifen. Wer heute eine Spurweite im archäologischen Kontext mißt, sollte daher immer genau angeben, was er eigentlich gemessen hat.

Ein Wagen kann über Lagerspiel und Elastizität von Achsen und Rädern +/- 3,5 cm Spurbreitenabweichungen ausgleichen. Das berühmte Geleisstück der Römerstraße bei Klais variiert auf 300 Metern Länge zwischen 102 und 109 cm (modern) gemessene Spurbreite, was innerhalb der erlaubten Toleranz liegt.

Spurbreiten und Fahrzeuge

Es ergeben sich somit diese möglichen (modern gemessene) Spurbreiten: Die sogenannte Palmi-Tabelle.

PALMUS1213141516171819
cm92100107115122129137144
Mögliche Spurbreiten als Vielfache eines PALMUS

Tatsächlich kommen in der Praxis aber nur wenige Spurbreiten vor: 14, 17, 18 und ggf. 19 PALMI. Das hängt mit den eingesetzten Transportmitteln zusammen. Wenn man die erlaubten Toleranzen berücksichtigt, ergibt sich diese Tabelle:

SpurbreiteTransportmittelPeriode
< 100 cmPackpferdbis 1.200 n. Chr.
100 – 120 cmeinachsiger Karren900 – 1.200 n. Chr.
120 – 150 cmzweiachsiger Wagen1.200 – 1.600 n. Chr.
150 – 220 cmzweiachsiger Wagennach 1.600 n. Chr.
> 220 cmzweiachsiger Wagen> 1.750 n. Chr.
Abschätzung der Nutzung von der Spurbreite eines Hohlweges

Die Periodenzuordnung basiert auf einer eher dürftigen Quellenbasis. Die sollte man also nicht zu wörtlich nehmen. Im Prinzip gilt aber: Die Hohlwege wurden immer breiter. Schmalere Hohlwege sind meist älter. In der Neuzeit hatten die Kutschen dann hinten eine größere Spurbreite, wie vorne.

Beispiele: Die Geleise-Römerstraße von Klais wurde demnach mit einachsigen Karren befahren.

In der Literatur findet man offenbar gemessene römische Spurweiten von 136 cm oder (häufiger) 140 cm. Hier sollte man noch einmal genau nachmessen. Anscheinend geben die Autoren nicht immer detailliert Auskunft darüber, von wo bis wo sie Spurbreite im Detail messen. Das heißt aber auch: Im römischen Reich gab es unterschiedliche Spurbreiten.

Im Mittelalter wurde es noch schlimmer. Die Spurbreiten variierten von Gegend zu Gegend. Fernreisende benötigten Kutschen mit variablen Spurbreiten, die es offenbar tatsächlich gab!

1 Kommentar zu „Hohlwege vermessen“

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