Gelbenholzen-Kloster Fürstenfeld

Gar nicht weit vom Vereinsheim des Historischen Vereins FFB, in dem sich die Projektgruppe Altwege regelmäßig trifft, findet man auffällige Strukturen im Gelände:

Beobachtungen

Hinter den Bahngleisen geht es eine steile Hangkante hinauf, auf der früher auch die Engelsburg stand (der Engelsberg). Die heutige Straße \”Am Engelsberg\” von Gelbenholzen windet sich in einem weiten S [in der Karte: #6 und #1] hinab bis zur heutigen Bahnunterführung. Dieses S kreuzt einen tiefen Graben, der direkt den Hang hinabführt.

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Uraufnahme. Rot: heutige Fahrstraßen. Gelb: heutige Radwege. Grün: heutige Fußwege. Gelb: Reliefeinschnitte
Geobasisdaten: Bayerische Vermessungsverwaltung

Im Reliefbild des Bayernatlas sieht man diese Einschnitte auch. Sie sind auf der Karte hier gelb nachgezeichnet [#2 und #3]. Man kann erkennen, daß der obere Teil des S [#6] während der Uraufnahme bereits bestand. Der untere Teil [#1] ist moderner Straßenbau.
In der Fortsetzung des Einschnittes [#3, #2] erkennt man auf der Uraufnahme eine Brücke [#7] auf eine Insel in Amperseitenarmen. Diese Brücke gibt es nicht mehr. Auf der Insel zeigt die Uraufnahme keine Bebauung oder Nutzung. Heute sind dort Fischweiher und ein Pferdehof. Womöglich war die Brücke der Zugang zu einem Acker.
Etwas weiter südwestlich erkennt man erneut zwei Einschnitte [#5 und #4] den Hang hinab.

Die Kartographie im Bereich [#6] könnte ungenau sein. Im Prinzip ähnelt das Dreieck der heutigen Wegeführung. Es ist aber verschoben. Allerdings teilen diese Wege keine Grundstücke und waren für die Vermesser wohl nicht so entscheidend.

Interpretation

Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Einschnitte [#3/#2, #5/#4] Hohlwege der ursprünglichen Straßenführung darstellen. Der steile Hang spricht für einen Hohlweg, da man früher Wägen mit blockierten Bremsen nicht lenken konnte. Der Einschnitt [#3] deckt sich mit einem kartierten Weg der Uraufnahme. [#2] ist in der Uraufnahme nicht zu sehen – der etwas weiter nördlich verlaufende Weg deckt sich mit dem heutigen Weg; an dieser Stelle darf man wohl keine ungenaue Vermessung unterstellen.

Das würde bedeuten, daß zumindest der untere Hohlweg älter als die Uraufnahme ist.

Daß die Brücke [#7] die Fortsetzung des möglichen Hohlweges ist, ist eher unwahrscheinlich. Denn auf der Amperinsel gab es ja nichts, was ständigen Transport Richtung Biburg erwarten läßt. Vermutlich war die Brücke nur zufällig genau da.

Der Einschnitt [#5/#4] läuft knapp an einem früheren Gehege vorbei. Wenn es ein Hohlweg war, dann kann man heute den Straßenanschluß im unteren Bereich nicht mehr erkennen.

Regionales Straßensystem

Der betrachtete Straßenabschnitt stellt die Verbindung von Biburg/Pfaffing/Gelbenholzen zum Kloster Fürstenfeld dar. Sicherlich mußten hier Naturalabgaben regelmäßig zum Kloster gefahren werden.

Überregional war die Strecke vermutlich nicht bedeutsam. Die Strecke Germering/Buchheim/Hoflach/Bruck ging an diesem Bereich vorbei. Womöglich waren auch Biburg und Pfaffing im 19. Jahrhundert eher unbedeutend.

Nächste Schritte

Bei Gelegenheit sollten wir die Einschnitte vermessen und kartieren.

Dabei können wir kontrollieren, ob die in der Uraufnahme kartierten Wege [#6] nicht doch verlegt wurden und ob man Spuren der alten Wegführung findet.

Erkenntnisse

Im letzten Projekttreffen haben wir diskutiert:

  • Altwege werden wir oft nur an Hangkanten im Wald an ihren Hohlwegen erkennen können. Überall sonst sind die Wege meist umgepflügt und nicht mehr nachweisbar.
  • Zwei parallele Einschnitte in Hangkanten sind ein starkes Indiz für Hohlwege und damit Altwege. Denn offenbar gab es oft einen aufwärtsführenden und einen abwährtsführenden Weg. Man konnte einen Wagen angespannt mit 2 oder 4 Ochsen bei Gegenverkehr ja schlecht zurücksetzen.
  • Wenn wir auf heutigen Straßenkarten ein S sehen, dann lohnt es sich die Reliefkarte vorzunehmen und ehemalige Wege zu suchen, die die direkte Route bergab nahmen.

2 Kommentare zu „Gelbenholzen-Kloster Fürstenfeld“

  1. Pingback: Treffen am 04.07.19 – Altwege im Landkreis Fürstenfeldbruck

  2. Pingback: Münchner Berg bei Bruck – Altwege im Landkreis Fürstenfeldbruck

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