Die Straßen der Ersterwähnung Schöngeisings

Die Straße der Ersterwähnung Schöngeisings

(von Ulrich Bähr)

Inhalt

1 Die Straße der Ersterwähnung Schöngeisings 1

1.1 Die Gründung des Klosters Scharnitz 2

1.1.1 In welchen Orten wurden Güter an das Kloster Scharnitz übertragen? 3

1.2 Gründe für die Gründung des Klosters Scharnitz 6

1.2.1 Transalpiner Verkehr als mögliche Motivation 6

1.2.2 Post zwischen Italien und Baiern als mögliche Motivation 7

1.3 Mögliche Routen des Klosters Scharnitz 8

1.3.1 Die Route über die Römerstraße Augsburg-Brenner 8

1.3.2 Eine mögliche Route westlich des Starnberger Sees 12

1.4 Literatur 14

Zusammen­fassung

Schöngeising wurde 763 erstmals urkundlich erwähnt (zumindest unter seinem nach-römischen Namen). Die Ersterwähnung könnte in Zusammenhang stehen mit der Einrichtung eines Transportdienstes über die Alpen. Die in der Urkunde genannten Orte könnten Routen für den Waren- und Posttransport beschreiben. Diese These enthält noch viele offene Fragen – daher stelle ich sie hier zur Diskussion. Wichtige zu klärende Fragen wären unter anderem:

  • Wo verlief die zweite Route parallel zur Römerstraßen-Route? Westlich oder östlich des Starnberger Sees? Sind alte Wege auf dieser Strecke bereits bekannt?
  • Wie paßt Pasing in dieses Bild?
  • Wurde ”pahhara” korrekt identifiziert als 85232 Ober-/Unterbachern? Oder war es nicht doch eher 82266 Bachern (Inning) am Wörthsee?
  • Wo sollten diese Routen denn am nördlichen Ende hinführen? Zum Bischofssitz in Freising, den die Huosi bald danach mit einem Bischof aus ihren Reihen besetzten?
  • Hat jemand eine Idee was dieser ”freun flumine” sein soll? Bitterauf erklärte ihn 1905 als ”Pfriem, Zufluß der Rott”? Es gäbe aber mehrere Flüsse Rott in Bayern (Raisting liegt auch an der Rott und Raisting selbst kam erst in einer späteren Schenkung zum Kloster). Und einen Fluß Pfriem kann man heute nicht mehr ausmachen. Allenfalls den Priem beim Chiemsee.

Die Gründung des Klosters Scharnitz

Die Urkunde

Im Jahr 763 gründeten die Brüder Reginperht und Irminfrid (und ihre Mutter Acklinda, sowie die Vettern Oatilo und Cros) ein neues Kloster in Klais in den Scharnitzer Wäldern. Dazu statteten Sie es mit einer bemerkenswert großen Anzahl Höfe in ganz Baiern aus. In der Urkunde werden die Höfe an das neue Kloster und damit mittelbar an das Bistum Freising übertragen.

Rechtslage: Schenkung

Die „Schenker“ behielten aber die Kontrolle über die Schenkungen.

Die Grundstücke wurden faktisch nur unter den Schutz der Kirche gestellt. Die baiovarische Rechtsauffassung war: Wenn man etwas der Kirche „schenkt“ behält man selbst und seine Erben weiterhin die Nutzungsrechte. Man behielt also einen vererbbaren Nießbrauch.

In diesem Fall setzte die Sippe der Klostergründer (die Adelssippe der Huosi) gleich einen Abt aus ihren Reihen ein.

Sehr wahrscheinlich gab es immer mündliche Nebenabreden bei Schenkungen. So ist bekannt, daß Grundstücksübertragungen oft an Bedingungen geknüpft waren (der neue Hofbesitzer mußte Botengänge übernehmen, bestimmte Verteidigungsaufgaben übernehmen etc.). Solche Reallasten der Grundstücke werden in den Urkunden aber nie erwähnt.

Die Adelssippe der Huosi, vertreten durch die Brüder Reginperht und Irminfrid, hatte also volle Kontrolle über das neue Kloster und die verschenkten Güter.

In welchen Orten wurden Güter an das Kloster Scharnitz übertragen?

Die Orte mit Schenkungen

C:\Daten\Arbeit\paperless-process\privat\Schenkungen an Kloster Scharnitz.png

Abbildung 1 Die Orte mit Stiftungen für das neue Kloster Scharnitz. Gelb die Orte der Gründungsurkunde. Orange die Orte in nachfolgenden Urkunden.
[Quelle: OpenStreetMap]

Sehr großes Gebiet

Diese Zusammenstellung von Orten aus halb Baiern ist kurios. Schon mit dem Auto be­nötigt man 3,5 Stunden, um von Flaurling bis nach Vilshofen zu gelangen.

Einige Orte liegen einigermaßen nah an der noch intakten Römerstraße bzw. Via Julia. Andere an schiffbaren Flüssen – aber an unterschiedlichen. Wieder andere Orte schei­nen einfach Weiler am flachen Land gewesen zu sein – ohne die damaligen Straßen­verbindungen genau zu kennen. Ein sinnvolles Muster erschließt sich nicht auf Anhieb.

Erstaunlich, daß die Stifter diesen Flickenteppich an kleinen weitverstreuten Orten über­haupt im Kopf hatten.

Die Orte dienten weniger der wirtschaftlichen Versorgung des Klosters

Man kann sich das Kloster Scharnitz als ein weitgehend autarkes Wirtschaftsgut vorstellen, wie es viele Jahrhunderte später z. B. das Kloster Fürstenfeld war. So ein Kloster treibt von den umliegenden Dörfern den Zehnt ein und die Mönche kommen nicht weit herum.

Als Alimentierung hätte so eine Art Kloster mit den weitverstreuten Gütern der Stiftung direkt sicher wenig anfangen können. Vielleicht hätte das Bis­tum Freising anstelle seiner Klöster den Zehnt eingetrieben und die Klöster dann zentral alimentiert. Die Nutzung der Schenkung kann man sich nur schwer vorstellen. Die damaligen LKWs waren schließlich nur Ochsenkarren. Der Transport über die Flüsse war da sicher billiger – lohnt sich aber vermutlich erst, wenn man ein Schiff halbwegs voll bekommt. Dem Kloster Scharnitz halfen die Flüsse nur bedingt, da der Zehnt ihrer Güter flußaufwärts transportiert werden müßte.

Man kann also festhalten: Die an das Kloster übertragenen Güter mußten größtenteils anderen Zwecken gedient haben, als der Versorgung des Klosters Scharnitz

Welche Orte gingen nun an das Kloster

Das Kloster Scharnitz wurde mehrfach mit Gütern bedacht:

  • Zuerst durch die Klostergründung 763
  • Später durch eine Nach-Schenkung (Flächen in Raisting, Garmisch, Zirl am Zirler Berg)
  • Innichen (769 von Tassilo III.) (Bitterauf, 1905)[1] Aber da war das Kloster schon nach Schlehdorf übergesiedelt.

Im Einzelnen waren das (in der Reihenfolge der Erwähnung in den Urkunden):

Dieser Ortsname in der Urkunde

entsprach vermutlich diesem Ort/ Gebiet

und diente womöglich diesem Zweck

scaranziae

A-6108 Scharnitz bzw.
82494 Klais (Krün)

Sitz des Klosters

pollinga

A-6404 Polling[2]

Richtung Reschenpaß über Imst und Meran

flurininga

A-6403 Flaurling

Richtung Reschenpaß über Imst und Meran

opido humiste

A-6460 Imst

Richtung Reschenpaß über Imst und Meran

slehdorf

82444 Schlehdorf

Starnberger-See-Route?

hofahaim

82447 Hofheim (Spatzenhausen)

Via-Raetia-Route

sinoluesdorf

82404 Sindelsdorf

Starnberger-See-Route?

kisingas

82296 Schöngeising

Amper-Querung
Starnberger-See-Route?

pasingas[3]

81241 Pasing

Würm-Querung München-Schwaben in Ost-West-Richtung und Dachau-Starnberg in Nord-Süd-Richtung

grefoluinga

82166 Gräfelfing

Starnberger-See-Route?

pago rotagauuue

Rottgau/Rottachgau (südwestlicher Bereich unterhalb vom rechten Donauufer von Vilshofen bis Wesenufer: am Inn von Ering bis Passau, unteres Rott-Tal

 

pagum desertum uualhogoi

82499 Wallgau
oder vermutlich der gesamte „verlassene Gau der Welschen“ mit Walchensee etc.

Warenumsetzung von der Via-Raetia zur Isar

Starnberger-See-Route?

curtana

84494 Kurthambach (Neumarkt-Sankt Veit)

(nahe der Rott zwischen Mühldorf und Dingolfing)[4]

 

fruen flumine

Pfriem[5] (?)

 

pahhara

85232 Ober- und Unterbachern[6]

Starnberger-See-Route?

In einer späteren Schenkung:

 

82399 Raisting

Via-Raetia-Route

 

82467 Garmisch

Via-Raetia-Route

 

A-6170 Zirl

Italienroute über Imst und Meran

Identifikation der Ortsnamen unsicher

Einige der Ortsnamen in den Urkunden können nicht zuverlässig heutigen Orten zugeordnet werden.

Gründe für die Gründung des Klosters Scharnitz

Transalpiner Verkehr als mögliche Motivation

Huosi und ihr Verkehrs­interesse

Ohne es an dieser Stelle detailliert auszuführen, so kann man festhalten:

  • Mitglieder der Huosi-Sippe hatten Güter im heutigen Südtirol. Waren, wie Wein, wurden über die Alpen transportiert zu den Höfen der Huosi-Sippenmitglieder.
  • Es gibt Hinweise, daß die Huosi im Streifen zwischen Staffelsee und Neuburg ein Bistum innehatten, daß 802 vom Augsburger Bischof Sintpert (als er in Personalunion auch Bischof von Staffelsee-Neuburg war) mit dem Bistum Augsburg fusioniert wurde.
    Die Huosisippe hätten demnach die kirchliche Macht in dem Streifen am Westrand des damaligen Baierns inne. Das erfordert natürlich auch einen gesicherten Verkehr von Post und Gütern innerhalb dieses Gebiets.
  • Die Huosi waren vermutlich eine alte baiovarische Adelssippe von fränkischen Adeligen. Die Loyalität zum bairischen Herzog war scheinbar nicht immer eindeutig. Baiern war für die Merowinger und Karolinger ein wichtiges Transitland für Militärzüge jenseits der Alpen und auch für den Handel.
    Möglicherweise errichteten die Huosi einen inner-bairischen Pufferstaat und sorgten für zuverlässigen Verkehr vom Norden über die Alpen.[7]
Kloster als Firmenersatz

Funktionen, die heute Firmen übernehmen, mußten im Frühmittelalter oft von kirchlichen Institutionen (und großen Adelshöfen) übernommen werden. Dort gab es Männer und Frauen, die die Zeit hatten für diverse Aufgaben, da sie nicht ständig ihren Hof als Bauern bewirtschaften mußten. Teilweise wurde Bildung vermittelt; so gab es vor allem dort Schreibkundige.

Logistik als Hauptgrund für Klostergründung?

Betrachtet man die Landkarte mit den Schenkungen, kann man sagen: Es war geradezu die Idee dieses Klosters Scharnitz, daß es weit verteilte Räume verbindet. Hätten wir den Abt des Klosters Scharnitz nach seinem Beruf gefragt, er hätte wohl vielsagend geantwortet: „Ich mache in Logistik.“

 

Post zwischen Italien und Baiern als mögliche Motivation

Postwesen

(Störmer, Funktion des kirchlichen Fernbesitzes im Gebiet der Ostalpen, 1987) puzzelt aus diversen Einzelnachweisen ein interessantes Bild des Botenwesens im frühen Mittelalter: Privilegierte Personen konnten damals ziemlich schnell Nachrichten über die Alpen schicken. Auch wenn die meisten Nachweise aus der Zeit nach 763 stammen, so bestand das Botenwesen wahrscheinlich schon vorher – und ist womöglich direkt von den Römern übernommen worden.

Was war in der Post?

Der bairische Herzog, die bairischen Bistümer, die Klöster und die Adeligen hatten Besitz in Italien: Weinberge rund um Bozen und am Gardasee, Grundbesitz von langobardischen Verwandten etc. Wenn fremde Truppen vor der Tür standen, mußte natürlich rasch Hilfe geholt werden. Die Verwaltung erforderte auch einen steten Strom an Informationen.

Die Postboten

Ein Lehnsherr vergab Bauernhöfe mit Auflagen. Man kann sich das als eine Reallast-Eintragung im Grundbuch vorstellen (das es damals natürlich noch nicht gab).

Man erhielt also einen Bauernhof und einige Felder zur Bewirtschaftung – aber dafür mußte man Botendienste übernehmen (oder in die Schlacht ziehen etc.). Die Boten hießen damals „Sindmannen“ oder „Wegmannen“. Diese Art Bauernhöfe hießen dann entsprechend „Sindhuben“. Naturgemäß lagen diese Sindhuben verteilt im ganzen Herzogtum, da kaum ein Bote von Regensburg nach Bozen gelaufen ist. Vielmehr haben die Boten die Botschaften wie Staffelhölzer von einem Boten zum nächsten getragen.

Mögliche Routen des Klosters Scharnitz

Kartenbild

Betrachtet man die Orte mit Güterübertragungen auf einer Karte, so fallen gewisse lineare Strukturen auf.

Zudem kann man annehmen, daß im Jahr 763 noch viele Römerstraßen benutzbar waren.

Transalpine Strecke: Reschenpaß

Entlang des Inns werden Güter an 4 Orten (Imst, Flarling, Polling, Zirl) übertragen, was die Westroute über den Reschenpaß nach Meran markiert. Die andere Route über Innsbruck, Brenner wird in den Urkunden nicht unterstützt durch Güterübertragungen.

Die Route über die Römerstraße Augsburg-Brenner

Der Straßen­name

Der Straßenabschnitt über den Zirler Berg, durch Scharnitz und Partenkirchen wird auch als „Via Raetia“ bezeichnet. Es gibt aber offenbar keine römische Quelle, die diesen Straßennamen verwendet.

Martin Ott in (Joosten und Kürzeder 2000, 15) bezeichnet das System paralleler und durch Querstraßen verbundener Hauptstraßen zwischen Bozen und Augsburg als „Via Claudia Augusta“. Die Bodendenkmalskarte benennt aber nur den Strang links des Lechs (Augsburg-Landsberg-Schongau-Füssen) als „Via Claudia“.

Route

Hier ist ein anderer Strang dieses Straßenbündels gemeint:

Von Augsburg rechts des Lechs über Eresing, Windach, Raisting (wo eine Querstraße Gauting und Epfach verbindet), Wielenbach, Weilheim, Huglfing(?), Eglfing, Murnau. Dort westlich oder östlich um das Murnauer Moos.

Weiter über Oberau (wo eine Querstraße die Straße links des Lechs anbindet) weiter über Scharnitz und Zirler Berg zum Inn.

Womöglich bereits keltische Route

Östlich des Murnauer Mooses zeigt die keltische Höhenburg „Zeilkopf“, daß diese Strecke wohl auch schon vor den Römern relevant war. (Übrigens auch die Alternativroute über Schlehdorf, wohin das Kloster Scharnitz später verlegt wurde, mit ihren keltischen Burgen „Am Joch“ und „Birg“.)

Abbildung Keltische Höhenburgen (nach Roland Gschlößl 1922)
[Quelle: ]

Die Karte

C:\Daten\Arbeit\paperless-process\privat\Via-Raetia-Route.png

Abbildung 3 Über Römerstraßen zum Kloster Scharnitz
[Quelle: OpenStreetMap]

Die möglichen Sindhuben

Boten säßen dann in diesen Orten und warteten auf Post zum Weitertragen:

Vom Ort

dauert es zu Fuß so viele Stunden bis zur nächsten Station

Bemerkung

Klais (Kloster Scharnitz)

2,25 (12 km)

wie schon bei der vermuteten Starnberger-See-Route ist das erste Stück sehr kurz. Vielleicht weil es von Mönchen selbst gegangen wurde?

Garmisch

6 (29 km)

 

82447 Hofheim (Spatzenhausen)

5,25 (26 km)

Hofheim liegt ein Stück entfernt von der alten Römerstraße. Vielleicht ging 763 die Straße an der Stelle schon etwas weiter östlich? Oder es war einfach kein Grundstück zur Hand direkt an der Römerstraße.

Zwischen Hofheim und Raisting liegt auch ein Ort 82398 Polling, der in der Urkunde ggf. auch gemeint gewesen sein könnte anstelle von A-6404 Polling. Aber als Sindhube war er hier nicht dringend nötig und in der Urkunde wird er zwischen österreischen Orten genannt.

Raisting

10 (49 km)

hier fehlt vermutlich noch eine Station auf Höhe Eresing. Es gäbe dort zumindest einen frühmittelalterlichen Ringwall.

Augsburg

 

In 2,5 Tagen konnte also ein Brief zu Fuß von Augsburg zum Kloster Scharnitz gelangen. Mit dem Pferd natürlich noch ein ganzes Stück schneller[8]

 

Eine mögliche Route westlich des Starnberger Sees

Hergeleitete Route

Wenn man von den Orten mit Güterübertragungen die Orte an der Römerstraße abzieht, dann bleiben noch Schlehdorf, Sindelsdorf, Gräfelfing, Schöngeising und Ober-/Unterbachern [falls der Ort richtig identifiziert wurde].

Diese Orte der Schenkung bilden eine Nord-Süd-Kette, was auf einen Weg hindeuten kann. Tatsächlich ist das spekulativ, die Route könnte auch über Wolfratshausen-Schäftlarn-Gauting über die ehemalige Römerstraße Salzburg-Augsburg nach Schöngeising geführt haben.

Karte

So könnte die Boten-Kette über die Starnberger-See-Route verlaufen sein. Noch etwas kürzer wäre die Route auf der Ostseite des Starnberger Sees.[9]

C:\Daten\Arbeit\paperless-process\privat\Starnberger-See-Route.png

Abbildung 4 Spekulative Straße (grün) vom Kloster Scharnitz nach Norden.
rot die Römerstraßen-Route.
[Quelle: OpenStreetMap]

Die möglichen Sindhuben

Boten säßen dann in diesen Orten und warteten auf Post zum Weitertragen:

Vom Ort

dauert es zu Fuß so viele Stunden bis zur nächsten Station

Bemerkung

Klais (Kloster Scharnitz)

5 (28 km)

wie schon bei der Via-Raetia -Route ist das erste Stück sehr kurz. Vielleicht weil es von Mönchen selbst gegangen wurde?

Schlehdorf

1,75 (9 km)

eigentlich würde Sindelsdorf genügen. Vielleicht hatte Schlehdorf doch eine andere Aufgabe. Oder der Schlehdorfer und der Sindelsdorfer Bote arbeiteten „halbtags“ und haben sich die Aufgaben geteilt.

Sindelsdorf[10]

10,75 (52 km)

da fehlt also noch eine Station auf Höhe Tutzing oder Münsing. Oder es gab hier berittene Boten.

Tutzing zumindest geht auf eine Gründung von Huosi-Mitgliedern zurück.

Gräfelfing

4,25 (21 km)

 

Schöngeising

5 (24 km)

 

Ober-/Unterbachern

7 (35 km)

Vielleicht hatte das Bistum Freising rund um den Bischofssitz weitere Sindhuben

Freising

 

In 3 Tagen konnte also ein Brief zu Fuß von Freising zum Kloster Scharnitz gelangen. Mit dem Pferd natürlich noch ein ganzes Stück schneller

Was spricht gegen die Route?

In der Stiftungsurkunde werden die Orte nicht in dieser Reihenfolge aufgezählt.

Pasing paßt eigentlich in keine richtige Boten-Ketten-Reihung. Pasing bleibt sozusagen funktionslos über. Pasing könnte eine andere Wegstrecke über die nachgewiesene Sindhube in Föhring und dann weiter nach Freising andeuten.

Würde man die Reihenfolge der Stiftungsurkunde nehmen ergäbe sich ein eigenartiger Zick-Zack-Kurs. Aber vielleicht gabelte sich der Postweg auf Höhe des späteren Münchens, um verschiedene Adressaten zu erreichen. Irgendwo müssen die adeligen Huosi-Stifter ja auch ihre Burg gehabt haben und die wollten vermutlich auch von ihrem Postwesen profitieren.

Literatur

Bitterauf, Theodor. 1905. Die Traditionen des Hochstifts Freising – I. Bd. Band. München: M. Riegersche Universitäts-Buchhandlung.

Hundt, Friedrich Hector Graf. 1873. „Über die Bayerischen Urkunden aus der Zeit der Agilolfinger“. In München: Abhandlungen der k. b. Akademie der Wissenschaften III. C. http://bsb3.bsb.lrz.de/~db/1113/bsb11135248/images/.

Joosten, Hans-Dirk, und Christoph Kürzeder. 2000. „Via Claudia – Stationen einer Straße“. In Freilichtmuseum Glentleiten, herausgegeben von Hrsg, 24. Großweil: s.n.

Reitzenstein, Wolf-Armin. 2006. Lexikon bayerischer Ortsnamen: Herkunft und Bedeutung ; Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz. München: Beck.

rg. 2016. „Paosos Zeitgenossen“. Bayerische Archäologie, 3.

Roland Gschlößl. 1922. „Die Alpenrandburgen der Bronzezeit“. Bayerische Archäologie, Verlag Friedrich Pustet, 1922.

Wilhelm Störmer. 1966. „Fernstraße und Kloster. Zur Verkehrs- und Herrschaftsstruktur des westlichen Altbayern im frühen Mittelalter“. Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 29: 299–343.

  1. Urkunde #34

  2. Das hätte auch der Ort 82398 Polling sein können. Der lag auch an der Römerstraße und dort gab es bereits ein Kloster der Housi. Aber da im gleichen Atemzug vom heute österreichischen Polling die Rede ist, war wohl wirklich das Polling nahe Flaurling gemeint.

  3. Im Gräberfeld an der Josef-Retzer-Straße wurden 2016 Gräber aus der Zeit von 500 – 700 gefunden, die zeigen, daß die Nachfolger des Gründers Paoso reich waren und weitreichende Handelskontakte hatten.(rg 2016)

  4. Die Zuschreibung von „curtana“ zu Kurthambach basiert offenbar ausschließlich auf (Hundt 1873), der nicht offenlegt, wie er darauf gekommen ist.

  5. Laut (Bitterauf 1905) ein Zufluß der Rott. Da vorher Orte im Bereich Passau genannt werden, meint das Wohl die Rott bei Passau und nicht die Rott am Ammersee. Wo dieser Pfriem-Fluß sein soll ist aber unklar.

  6. Könnte aber eigentlich auch sehr gut 82266 Bachern (Inning) am Wörthsee sein. Wenn das Gut dazu dann in Wahrheit östlich des Wörthsees lag, könnte es sehr gut in eine Starnberger-See-Route passen.

  7. Die Huosi haben auch nie ein Kloster im fränkischen Gebiet links des Lechs gegründet.

  8. Im römischen Straßenverzeichnis „Itinerarium Antonini“ (Wilhelm Störmer 1966)werden Tagesetappen zwischen 35,5 und 53,5 km genannt. Das würde nahelegen, daß man auf den schlechter gepflegten (Schlamm-)Straßen im Frühmittelalter nur noch halb so schnell vorankam. Zitiert nach (Joosten und Kürzeder 2000)

  9. (Wilhelm Störmer 1966) zitiert H. Dannheimer, der eine Altstraße zwischen Percha-Neufahrn(Wolfratshausen)-Schäftlarn nachgewiesen hat. (Wilhelm Störmer 1966) vermutet den weiteren Verlauf vom Bereich Raisting bis nach Gauting

  10. Auch wenn der Ortsname (ersterwähnt 763 als „Sindoluesdorf“, 850 „Sindilisdorf“) an „Sindhube“ erinnert, leitet es (Reitzenstein 2006) vom Personennamen „Sindolf“ her.

2 Kommentare zu „Die Straßen der Ersterwähnung Schöngeisings“

  1. Pingback: Raumplanung bei Römern und Baiovaren – Altwege im Landkreis Fürstenfeldbruck

  2. Pingback: Transalpine Verkehrsverbindungen in Nordtirol – Altwege im Landkreis Fürstenfeldbruck

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie Consent mit Real Cookie Banner