Der Untergrund des Schöngeisinger Bahnhofs

Ende März 2020 wurde südwestlich des Schöngeisinger Bahnhofs die Baugrube für einen neuen Mobilfunk-Sendemasten gegraben. Das ermöglichte einen Einblick in die Bodenhorizonte entlang der Römerstraße:

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Etwa 180 cm tiefe Baugrube für einen Mobilfunk-Sendemasten am Schöngeisinger Bahnhof. Sichtbar sind die Kiesschichten und einer dünnen Humusdecke.
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Detail der Bodenschichtung. Der horizontale Baugrubenboden ist zur Verdeutlichung rosa eingefärbt.

Norbert Spinar: Zur Erdgeschichte des Ortes und seiner Umgebung; in Rudolf Peitinger (Hrsg.): Schöngeising – Vom römischen Statio ad Ambrae bis zur Gegenwart; EOS-Verlag, St. Ottilien, 2012

beschreibt, daß die Amper Karbonatgestein aus den Kalkalpen und Kiesel-/Kristallingestein aus dem Engadin, Ötztal- und Silvrettagebiet herantransportierte. Die anfangs weit mäandrierende Amper grub sich stufenweise tiefer in die Landschaft und verschob dabei das Material ständig. So bildeten sich Zwischenterrassen, die man auf der Bahnhofstraße zur Amper hinab gut beobachten kann. Der Bahnhof liegt auf der Hauptniederterrasse. Mindestens auf diesem Niveau lagen die Schotterflächen vor den ursprünglichen Endmoränen der Rißeiszeit.

In diese Schichten gruben die Römer ihre Entwässerungsgräben und Materialentnahmegruben. Die sehr dünne Humusschicht von allenfalls 30 cm war damals sicher nicht dicker. Das zeigt: Ohne viel Mühe erreichten die Römer ergiebige Kiesschichten. Es ist erstaunlich, daß die Römer weiter westlich keine Materialentnahmegruben mehr benötigten – noch viel leichter erreichbar können die Kiesschichten dort auch nicht sein.

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