Altweg Gilching-Biburg?

Manfred Gehrke hat einen Hinweis auf einen Altweg von 82205 Gilching nach 82239 Biburg (Alling) gefunden. Dieser Beitrag basiert auf seinen Erläuterungen:

Der postulierte Altweg (grün) von Gilching (unten rechts) nach Biburg (oben links).
Gelb: Keltische Hügelgräber
Orange: Keltische Viereckschanzen.
Hellblau: zwei römische Villae Rusticae und die römische Vorgängersiedlung von Gilching
Rote Linie halbwegs parallel zur grünen Linie: die Römerstraße von Salzburg nach Augsburg.
[Quelle: BayernAtlas, Bayerische Vermessungsverwaltung, Uraufnahme 1808-1864]

Was spricht für diese These?

Alte Karten

Den Weg gab es durchgängig bis mindestens 1900, wie alte Karten zeigen. Irgendwann vor 1925 wurde ein Eck entfernt. Später wurde noch mehr umgeackert. Heute findet man nur noch diese Reste:

Grün: Die heute noch existierenden Reste des postulierten Altwegs.
[Quelle: Google Maps, GeoBasis-DE/GKG 2009]

Hügelgräber und Villa Rustica in der Nähe

Das große Hügelgrabfeld kann für einen keltischen Weg sprechen, wenn es stimmt, daß die Hügelgräber oft nahe der Wege angelegt wurden.

Die Villa Rustica am Fuße des Germannsberges mußte ja irgendwie mit der Römerstraße Salzburg-Augsburg verbunden gewesen sein. Der postulierte Weg hätte dazu dienen können.

Straßenname

Zu Beginn heißt der Weg Brucker-Steig-Weg. Das kann man eigentlich nur so interpretieren, als daß dies ein Fußweg nach Bruck war. Das würde auch passen, da der postulierte Weg in der Fortsetzung über 82256 Pfaffing (Fürstenfeldbruck) (mit der sehr alten Kirche St. Stephan) und 82256 Gelbenholzen (Fürstenfeldbruck) den Engelsberg hinab zum Kloster Fürstenfeld führt.

Hohlwege

Unterhalb des Germannsbergs hat sich ein Waldstück am Hang (10,6 % Steigung) erhalten, in dem man Rinnen im Relief beobachten kann. Wir dürfen das LIDAR-Bild des BayernAtlas leider nicht abdrucken – aber abzeichnen:

Hang unterhalb des Germannsbergs mit Rinnen im Boden, die ein Hohlwegbündel darstellen können (rot).
Quelle: GoogleEarth, 2020 Google, 2020 GeoBasis-DE/BKG, Aufnahmedatum 03.06.2019

Wallfahrt (?)

Karl Josef Huber hat Manfed Gehrke von einer Wallfahrt Biburg-Germannsberg-Starzelbach-Brucker Steig-Gilching-Hochstadt-Andechs erzählt. Eine schriftliche Quelle haben wir leider nicht.

Der Starzelbach hilft bei der Lokalisierung nicht groß – der quert die Ebene in Ost-West-Richtung und kreuzt somit alle potentiellen Nord-Süd-Verbindungen. Den postulierten Weg kreuzt der Starzelbach am Ende Brucker-Steig-Wegs.

Flurgrenzen

Der postulierte Altweg fügt sich problemlos in das Raster der Flurgrenzen der Uraufnahme – nicht zuletzt weil es den Weg damals weitgehend noch gab.

Einzig die “Gilchinger Weide” wird vom postulierten Weg durchkreuzt. Hier handelt es sich aber offensichtlich um eine Allmende, die erst Ende des 18. Jahrhunderts unter den Bewohnern Gilchings verteilt wurde. Der Fußweg blieb aber trotzdem erhalten.
(Übrigens: Die Gilchinger Weide, die möglicherweise vor der Aufhebung der Allmende noch größer war, wurde laut dem Gilchinger Ortshistoriker Rudi Schicht früher von Gilching und Alling genutzt, was immer wieder zu Streitigkeiten führte.)

Was spricht gegen diese These?

Verwirrend ist, daß der Weg 250 – 350 Meter parallel zu einer Straße verläuft, die es höchst wahrscheinlich schon sehr lange gab (erst die Römerstraße, dann die Germannsbergstraße). Da solche Provinzstraßen oft Maut kosteten, könnte der postulierte Weg die günstige Alternative gewesen sein. Oder er war bei Regen nicht so zerfurcht und zermatscht von den Fuhrwerksrädern.

Hohlwege

Zwischen 82239 Germannsberg (Alling) und Biburg läuft der postulierte Weg westlich von einem erhaltenem Waldstück vorbei. Dort ist es sehr flach (1,8 % Steigung) und westlich des heutigen Weges gibt es keinen Wald. Dort sind also keine erhaltenen Hohlwege zu erwarten. Man sieht auch nichts im Relief.

Aber weiter östlich sieht man Hohlwegfächer, die zu einem namenloser Zulauf des Birkenmoosgraben herunter und wieder herauf führen (6,2 % Steigung). Das könnte auf einen Altweg zum Weiler Galgers hindeuten. Für die Verbindung Gilching-Biburg wäre das ein Unweg mit stärkerer Steigung durch ein Bachbett. Das wirkt wenig sinnvoll. Vermutlich stammen die Birkenmoosgraben-Hohlwege von einem anderen Altweg. In der Verlängerung über Galgers hinaus könnte das nach Emmering und seinem Kapellenweg führen.

Rinnen (mögliche Hohlwege) in rot. Oben rechts die Rinnen zum Birkenmoosgraben-Zulauf.
Rosa gefärbt mögliche Hochäcker (die für frühe Wege ungeeignet wären)
Quelle: GoogleEarth, 2020 Google, 2020 GeoBasis-DE/BKG, Aufnahmedatum 03.06.20

Was hilft nicht weiter bei der Entscheidung?

Ortsnamen

Keiner der beteiligten Orte leitet seinen Namen von einem Weg ab:

  • 82239 Gagers (Alling): Womöglich von “Gaggers” einem Begriff für Eicheln oder Bucheckern. Also vermutlich ein Waldstück, das geeignet war für die Schweinemast im Wald. Der Wald südlich von Gagers hat passenderweise den Flurnamen “Oberes Buchholz”
    Quelle: Über die Ortsnamen in Oberbayern: Jahres-Bericht über d. k. Lyceum, Gymnasium u. die lateinische Schule zu Freysing im Studienjahre 1848/49
    Oder der Ortsname stammt von Gah-gras, was auf einen steilen Grashang verweisen würde
    Quelle: Joseph Schnetz (Hsg.): Zeitschrift für Ortsnamenforschung (ZONF) 6, 51
  • 82205 Gilching: Die Ersterwähnung von 804 (Freisinger Tradition 199) nennt den Ort Kiltoahinga, dem eine Person “Geldiko” zugrunde liegt.
    Quelle: Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen; C. H. Beck Verlag, 2006
    [Bitterau transkribiert: “Actum in vico publico Kiltoahinga regnante domno nostro Karolo augusto anno IIII. indictione XI.” Wäre spannend zu erfahren, wie die Germanisten die Herleitung von diesem Personennamen begründen.
    Bitterau hat sich bei der Zuweisung der Ortserwähnungen immer auf Graf Hundt verlassen, der wiederum nie seine Zuweisungen zu heutigen Orten plausibel macht.]
    In Gilching ist die Schreibweise “Giltico” geläufig.
  • 82239 Biburg (Alling): vom althochdeutschen *pîburc, das Umwallung bedeutet und auf vorgeschichtliche Anlagen verweist. Der Ortsname stammt in diesem Fall wohl von der keltischen Viereckschanze
    Quelle: Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen; C. H. Beck Verlag, 2006
  • 82239 Germannsberg (Alling). Hier finden sich keine direkten Quellen. Die Gemeinde Alling leitet den Orsnamen wie folgt her: “Im Jahr 769 hat die Witwe Kepahilt eine längst nicht mehr existente Kirche in „Germania in monte“ errichten lassen.”. Die gleiche Stelle aus den Freisinger Traditionen zieht Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein aber für die Ortsnamenherkunft von Germering heran.
    Ein anderes Germannsberg in Freyung leitet seinen Ortsnamen von einer Person “Germund” her.

Flurnamen

Abgesehen vom “Oberen Buchholz”, “Gilchinger Weide” und dem “Oberen Moos” lassen sich mit dem BayernAtlas keine Flurnamen in dieser Gegen finden.

Frühe Verschiebung

Gleich nördlich von Gilching liegt ein Aussiedlerhof (Brucker-Steig-Weg 2). Auf der Uraufnahme von 1808 ist der Brucker-Steig-Weg schon so erfaßt, wie er heute verläuft. Auffällig ist, daß die Flurgrenzen einen Wegverlauf 45 Meter weiter südwestlich nahelegen. In trockenen Jahren meint man den Verlauf sogar im Luftbild erkennen zu können. Das könnte alles darauf hindeuten, daß deutlich vor 1800 der Weg anders verlief.

Links die Luftaufnahme vom 01.05.2001 mit einem dunklen Schatten an der vermuteten älteren Wegführung.
Rechts die Flurgrenzen in der Uraufnahme von 1808.
[Quellen: GoogleEarth, Image 2020 GeoContent, 2020 Maxar Technologies
BayernAtlas, Bayerische Vermessungsverwaltung, Uraufnahme 1808-1864]

2 Kommentare zu „Altweg Gilching-Biburg?“

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