römischer Gutsbesitzer erteilt Anweisungen

Das römische Mauern

von Ulrich Bähr

Zusammenfassung

Mauern war römisch

Der Ort 82284 Mauern (Grafrath) war vermutlich ursprünglich eine römische Villa Rustica. Auch wenn dort bislang nur eine einzige römische Münze gefunden wurde, so zeigen die Feldmaße der Uraufnahme ein römisches Vermessungsraster.

Römisches Vermessungsraster in Mauern

Römische Vermessung

Die römische Landvermessung (Centuriatio) teilte das Ackerland systematisch in rechtwinklige Raster ein. Das Raster war nicht notwendigerweise Nord-Süd-orientiert. Es konnte sich auch an Flußläufen oder Straßen orientieren.

Der typische römische Acker „iugerum“ bzw. „lactus“ hatte wohl meist diese Maße:

in Metern

in actūs

in pedes

35,6 m x 71,1 m

1 actus x 2 actūs

120 x 240 pedes

Ein Acker hatte also ~0,25 ha. Das entsprach einem Tagwerk mit einem Ochsengespann.

200 „iugera“ (50,5 ha, also 710 x 710 m) bildeten eine „centuria“.

Eine Villa Rustica war 1 – 2 „centuria“ groß, also 200 – 400 iugera (50,5 – 101 ha).

Nach jedem „actus“ (alle 35 Meter) konnte ein schmaler Weg sein (2 – 3 Meter breit).

Zwischen zwei „centuriae“ lag ein größerer Weg (alle 710 Meter) von 6 – 8 Metern.

Erhaltene Beispiele römischer Vermessung

In Göggingen (Augsburg) unterhalb des heutigen Universitätsviertels hatten die Ackerstreifen entlang der Römerstraße exakt 2 actūs Breite.

Bei 86859 Igling gibt es eine nachgewiesene römische villae rustica und Hinweise auf ein römisches Vermessungsraster

Die Hofstellen der Straßendörfer 86836 Untermeitingen, 86836 Obermeitingen liegen erstaunlich oft auf Flurstücken von 1 actus Breite.

Methode

Es ist für mittelalterliche Äcker untypisch, wenn auf einer Fläche von zig Hektar praktisch alle Ackergrenzen im selben Winkel orientiert sind. In diesen Fällen sollte man auf durchgehende Linien achten.

Eine durchgehende Linie, die sich (ggf. unterbrochen von ein paar Äckern) bei mehreren Äckern als Grenze nachweisen läßt, deutet oft auf einen ehemaligen Weg.

Vor- und Rücksprünge tauchen dabei öfter auf. Sie werden damit erklärt, daß nach Auflassung des Weges die Wegfläche mal dem Acker auf der einen und mal dem auf der anderen Wegseite zugeschlagen wurde.

Ein Bild, das Text, Schrift, Handschrift, Zahl enthält.

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Abbildung 1 Vor- und Rücksprünge von Feldgrenzen an einem ehemaligen Weg [Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0]

Wenn sich durch die erkannten durchgehenden Linien Streifen erkennen lassen mit Breiten, die ein Vielfaches eines römischen „actus“ (36,6 m) darstellen, dann kann es sich um ursprünglich römische Vermessung handeln. Messen sollte man dabei immer exakt an der durchgehenden Linie. Falls z. B. später ein Weg durch die Ackerflächen angelegt wurde, dann haben die Bauern oft senkrecht auf diesen Weg zugepflügt. Die Ackerflächen machen dadurch Bögen von der durchgehenden Linie hin zum neuen Weg. Und dabei wird die Ackerbreite auch nicht immer eingehalten.

Mindestens nach zwei Streifen findet man bei römischer Vermessung einen Weg, der vermutlich in römischen Fuß gemessen wurde. Denn seine Breite ist meist eine eher runde Zahl römischer Füsse (50 Fuß, 65 Fuß etc.).

Wenn die Grenzen der Ackerflächen innerhalb der Streifen weitestgehend im rechten Winkel zu den Streifengrenzen verlaufen, dann ist eine römische Vermessung noch wahrscheinlicher. Oft wurden angrenzend an die römisch vermessenen Ackerflächen später weitere Flächen urbar gemacht. Hier verlaufen die Teilflächen aber längst nicht so regelhaft.

Oft bilden die Ackerflächen innerhalb der Streifen Gruppen mit einer Gesamtlänge, die auch ein Vielfaches eines „actus“ (36,6 m) darstellt. Neben den durchgehenden Längslinien der Streifenränder findet man also auch durchgehende Querlinien der Gruppenbegrenzungen. So ergibt sich dann ein rechteckiges Raster von römischen Längenmaßen. Spätestens da kann eine römische Vermessung als gesichert gelten.

Die Gesamtfläche aller Ackerflächen im römischen Raster müßte 50,5 ha betragen.

Über 2000 Jahre Nutzung haben natürlich zu Verschiebungen der Ackergrenzen geführt: Höfe wurden geteilt und Flächen dafür herausgeschnitten. Bauern haben heimlich ihre Äcker breiter gemacht. Moderne Wege wurden zunehmend zu Referenzlinien für die Ackergrenzen. Nur ein Teil der Ackergrenzen hat also das ursprüngliche Vermessungsraster erhalten. Dieser Anteil sollte überzeugend hoch sein, um tatsächlich eine römische Vermessung anzunehmen. Einzelne Ackerbreiten von 36,6 m genügen dazu nicht.

Durchgehende Linien in Mauern

Tatsächlich findet man zwei Streifen, die auf zwei parallele Wege mit beachtlicher Breite von19,3 m hindeuten. Zwischen den beiden Streifen liegen 132 Meter.

Abbildung 2 Zwei durchgehende Linien (rot und gelb) bei Ackergrenzen in Mauern, die auf Wege hindeuten. [Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0]

erhaltene Ackergrenzen

Wenn man das vermutete römische Vermessungsraster über die Uraufnahme legt, dann kann man markieren, welche Grenzen noch mit dem Raster übereinstimmten:

Abbildung 3 Parzellengrenzen, die noch vom römischen Raster stammen.
Rot: Sehr gute Übereinstimmung.
Gelb: Eingeschränkte Übereinstimmung.
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0]

Auf der Graphik sind Ackergrenzen rot eingezeichnet, wenn sie max. 5 % der Ackerbreite entfernt von einer Rasterlinie an einem der Raster-Wege beginnen.

Bei gelben Ackergrenzen genügt ein Beginn max. 15 % entfernt von einer Rasterlinie.

Nach den Römern wurde der Weg nach Etterschlag quer durch die Felder angelegt. Auch die anderen heute noch vorhandenen Wege scheinen ursprünglich den römischen Wegen gefolgt zu haben – später entwickelten sie sich mäandrierend mit runden Kurven. Die bestehenden Ackerstreifen nahmen darauf Bezug und versuchten senkrecht auf die neuen Wege zu treffen. So beginnt ein Ackerstreifen noch exakt wie zur Römerzeit, verbiegt sich dann aber, um einen neueren Weg zu treffen. Zum Pflügen war das dann natürlich deutlich einfacher.

Ackerbreiten in Mauern

In Mauern findet man sehr häufig eine Ackerbreite von 71,1 Metern. Das entspricht 2 römischen actūs.

Interpretation

Der Abstand zwischen den zwei vermuteten Wegen von 151,3 Metern paßt aber zu keinem bekannten römischen Maß.

Allerdings könnten sich die Ackerlängen über die Jahrhunderte um einige Meter verschoben haben. Womöglich betrug die tatsächliche Wegbreite nur 8,9 Meter. Dann hätten wir zwischen 2 Wegen 4 „iugera“. Als die germanischen Siedler auf die (vermutlich schon länger verlassene) Ackerfläche stießen, bestanden noch die Feldraine und Wege (womöglich etwas verbuscht). Das ersparte ihnen aufwändige Rodungen und eigene Feldaufteilungen. Allerdings hatten sie damit sehr große Äcker von 10,1 ha – also 3 Tagwerk nach frühmittelalterlichen Rechnung. Und sie hatten sehr viele dieser Äcker.

Abbildung 4 Links die gemessenen Ackerbreiten und -längen. Rechts eine mögliche Abbildung auf römische Maße.

Das Vermessungraster verläuft nicht in Nord-Süd-Orientierung, sondern gedreht um 27,5°.

4 Reihen à 5 Blöcke von jeweils 4 iugerua

Es deutet sich an, daß der römische Gutsbesitzer 1 „centuria“ abstecken ließ entlang einer Straßenkreuzung:

Die beiden südlichen Quadranten bestehen aus 4 Reihen à 5 Blöcken von jeweils 4 „iugera“ (also 80 „iugera“ pro Quadrant). Im nordwestlichen Quadranten wurden weitere 2 Reihen à 5 Blöcken von 4 „iugera“ abgesteckt (also 40 „iugera“). Im nordwestlichen Quadranten gibt es weniger moderne Ackergrenzen-Übereinstimmungen mit dem römischen Vermessungsraster. In Summe ergibt das 200 „iugera“ = 1 „centuria“.

Westlich anschließend an den südwestlichen Qudranten finden wir (abgetrennt von einem Weg) weitere 4 Reihen à 2 Blöcken. Das sind weitere 32 „iugera“. Es ist gut möglich, daß westlich an den nordwestlichen Quadranten anschließend weitere römische Felder folgten. Das läßt sich aber nicht überzeugend aus den Feldmaßen ableiten. Entlang der Straße nach Unteralting erscheinen aber immer wieder Ackerbreiten von 71 Metern, die sich aber in kein durchgehendes Raster einpassen.

Abbildung 5 Die Flurstücke der Villa Rustica von Mauern

Damit war diese Villa Rustica mit fast 60 Hektar von durchschnittlicher Größe in Rätien.

Wohngebäude

Das Siedlungsgebiet während der Uraufnahme ist rosa schattiert dargestellt.

Grau hinterlegt sind Rasterblöcke, die in der Uraufnahme keinen Hinweis auf römische Ackerparzellen geben.

Für eine Villa Rustica wäre diese Lage auch typisch: Eine Straße führt mittig durch die Gebäudeansammlung, die eine Villa Rustica ausmachen.

Straßenan­bindung lokal

Skizze der Straßen rund um die Villa Rustica

Abbildung 6 Die vermuteten Ackerparzellen von Mauerns Villa Rustica.
Gelb die vermuteten römischen Wege.
Grün ein Ausschnitt des Wegenetzes der Uraufnahme (Fahr- und Fußwege)
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0]

Nordwest

Die Straße nach Nordwesten [1] entspricht der heutigen Adalmuntstraße nach 82284 Unteralting.

Die heutige Adalmuntstraße von Unteralting nach Mauern entspricht einigermaßen der vermuteten Zufahrtsstraße in den Gebäudebereich der Villa Rustica. Vor Beginn des Bereichs mit dem römischen Ackerraster schwenkt sie auf einen römischen Feldweg weiter südlich [3] (heute: Unteraltinger Straße).

An der gleichen Stelle, an der die Unteraltinger Straße von der römische Zufahrtsstraße abzweigte, zweigte ein weiterer Weg ab und schwenkt auf einen römischen Feldweg weiter nördlich [2] (heute: Hölzlbergstraße). Früher war die Hölzlbergstraße vermutlich durchgängig und führte von Norden in das Dorf. In der Uraufnahme ist dies nicht so eingezeichnet, aber dafür in der etwa zeitgleich entstandenen topographischen Karte.

Die vermutete Zufahrtsstraße von Unteralting wurde also im Mittelalter aufgeben. Stattdessen ließ man den Weg aufgabeln auf zwei parallele römische Feldwege. Das könnte einem Muster entsprechen, daß man bei vielen Orten in der Region sieht: Vor dem Ort gabelt sich die Straße auf in eine größere Ortsumgehungsstraße und einem kleineren Weg, der in den Ortskern führt. Das könnte hier auch der Plan gewesen sein. Die Mauerner Unteraltinger Straße/St.-Georg-Straße [3] wären dann für den Durchgangsverkehr und die Hölzlbergstraße [2] (die heute nur noch rudimentär existiert) hätte in den Ort geführt. Daß die St.-Georgs-Kirche an der St.-Georgs-Straße liegt, muß nicht heißen, daß dort der Ortskern war. Mauern scheint einer der Orte mit einer Kirche am Ortsrand zu sein (wie z. B. auch 82276 Nassenhausen). Die größten Höfe Mauerns (#6 „Bauer“ und #9 „Lenzbauer“) liegen jedenfalls links und rechts der ursprünglichen römischen Zufahrtsstraße.

Nordost

Die Straße nach Nordosten [4] entspricht der heutigen Kreisstraße nach Schöngeising. Es ist gut denkbar, daß sie nördlich des Hölzlberges etwas weiter östlich abseits des immer überschwemmungsgefährdeten Hangs verlief. Auf einer Karte von 1900 ist der Weg aber tatsächlich sogar noch näher am Hang eingezeichnet. Zwischen dem Kellerbach-Durchbruch durch den Moränenzug vor Schöngeising und dem Abzweig der Straße „Zum Hartling“ verlief der Weg früher sicher geradliniger, da die moderne Straße mittelalterliche Wölbäcker kreuzt. Die Lage der römische Brücke über die Amper bei Schöngeising ist bekannt: Gleich nördlich der Turminsel. Wie eine römische Straße von Mauern dort hingeführt haben könnte ist unbekannt. Unterhalb von Holzhausener Straße und Zellhofstraße war eine römische Handwerkersiedlung und die römische Straßenstation AD AMBRAE.

Ost

Der Feldweg [8] zum 82296 Jexhof wirkt vergleichsweise jung und scheint nicht augenscheinlich in ein römisches Wegesystem zu passen. Allerdings wurde dort die einzige römische Münze in Mauern gefunden (eine konstantinische AE-Münze (Follis)). Womöglich ist dieser Weg doch älter.

Südost

Nach Südosten [5] führt heute in Verlängerung der Vogelhausstraße ein Forstweg auf den Gockelberg.

Der eigentliche Weg nach Südosten [6] ist in der Uraufnahme jedoch die Straße nach Etterschlag. Die Äcker im römischen Vermessungsraster nehmen alle Bezug auf diesen Weg. Kein Acker wird von diesem Weg durchschnitten. Eigenartigerweise werden die Äcker, die westlich im Anschluß des Vermessungsrasters liegen (und die man daher für jünger halten würde) schon von dem Weg durchschnitten.

Südwest

Eine Verlängerung des Weges nach Südwesten [7] gibt es nicht direkt. In der Uraufnahme knickt der Weg gleich nach den Feldern ab nach Westen. Im Positionsblatt von 1860 gibt es hingegen einen durchgehenden Weg von Mauern bis etwa zur Kellerberg-Straße in Inning am Ammersee.

Denkbar ist, daß der Weg nach Etterschlag ursprünglich um das römische Felder-Karee führte. Die germanischen Siedler haben dann aber gleich eine Abkürzung angelegt, als sie ihre Äcker absteckten. Der weitere Verlauf ist unklar. Auch wenn das Gelände hügelig ist, fehlen verräterische Hohlwegfächer. Zudem ist das Gebiet südlich von Mauern fast durchgängig mit Wölbäckern belegt, die bestimmt keinen Weg verstellt hätten. Denkbar ist, daß der Weg im Mittelalter von Mauern kommend noch ein ganzes Stück exakt geradeaus führte. Etwa am heutigen Autobahnrastplatz Martinsberg-Süd hätte er dann die heutige Autobahn erreicht (die früher evtl. auch einmal ein Römerweg war).

Straßenan­bindung regional

Skizze der regionalen Wege

Abbildung 7 Die vermuteten Ackerparzellen von Mauerns Villa Rustica.
Gelb die vermuteten römischen Wege.
Grün ein Ausschnitt des Wegenetzes der Uraufnahme (Fahr- und Fußwege)
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0]

Die Hauptzugangsstraßen zur Villa Rustica dürften diese Wege gewesen sein: Nach

  • 82296 Schöngeising und dem Anschluß an die Römerstraße Gauting-Augsburg
  • 82284 Unteralting und seinem Amperübergang
  • 82237 Etterschlag und dem Anschluß an die Römerstraße Gauting-Augsburg entlang der heutigen Kreisstraße

Nach der Römerzeit nicht durchgängig als Fahrweg belegt und daher etwas spekulativ wäre der Weg nach

  • 82266 Inning und dem Anschluß an die vermutete Römerstraße unter der heutigen Lindauer Autobahn.
    Allerdings wirkt diese Verbindung in der Draufsicht erstaunlich gerade und wie eine lineare Fortsetzung des Weges nach Schöngeising. Er hat ungefähr die gleiche Orientierung, wie das Vermessungsnetz der Mauerner römischen Äcker. Somit könnte diese Verbindung durchaus als Bezugsstrecke für die Vermessung gedient haben.
Spätere Veränderung

Am südöstlichen Rand findet sich ein gut 100 Meter breiter Ackerstreifen außerhalb des Rasters. Vor allem in der südöstlichen Ecke ist die Fläche angeschrägt/gerundet. Hier wurde vermutlich später weiterer Boden urbargemacht.

Nordöstlich des nordwestlichen Quadranten finden sich weitere Flächen, die bis an den Moränenhügel reichen.

Entlang der Zufahrtsstraße von Unteralting findet man durchgängig Felder.

Im Mittelalter wurden fast alle Wälder rund um Mauern niedergebrannt und zu Ackerland umgebrochen. Der Wald ist in der Neuzeit wieder gewachsen. Die Wölbäckerstrukturen sind erhalten geblieben.

Der Ortsname Mauern

82284 Mauern (Grafrath)

Die älteste bislang bekannte Urkunde zu 82284 Mauern ist[1]

1137/38 – 1147: „Gebehardus de Muron“ [TR Diessen #9]

Carl A. Hoffmann[2] leitet den Ortsnamen von muor (Moor) her.

Diese Herleitung ist aber strittig. Womöglich ist es wahrscheinlicher, „Muron“ von „Mauer“ herzuleiten. Hierzu bedarf es noch einer detaillierteren Untersuchung.

In Mauern wurden frühmittelalterliche Körpergräber gefunden[3]. Aus dem Frühmittelalter kennen wir nur wenige frühmittelalterliche Steinbauten: Einige Klöster und bedeutsame Kirchen. Aus dem ländlichen Raum sind keine Steinbauten bekannt – wenn sie ortsnamenbestimmend waren, dann sind römische Mauern eine sehr wahrscheinliche Erklärung.

Es gibt durchaus einige Beispiele, die auf die Verbindung eines Ortsnamens „Mauern“ mit römischen Ruinen hindeuten.

„Mauern“ muß sich nicht von römischen Mauern herleiten

„Mauer/Mauern“-Namen können

  • auf einfache Grenz- oder Feldmauern verweisen, die im Mittelalter bzw. der Neuzeit angelegt wurden (aber eher nicht im Frühmittelalter),
  • auf die Einfriedung von Höfen oder Kirchhöfen (z. B. Friedhofsmauer) (aber auch hier vermutlich nicht bei einer möglichen frühmittelalterlichen Vorgängerkirche von St. Georg), oder
  • in manchen Fällen eine Umdeutung späterer Generationen sein (z. B. ein Hofname wird zu einem Ortsnamen). Das gilt es noch genauer zu untersuchen.

Das heißt: Allein der Ortsname „Mauern“ beweist kein römisches Fundament. Erst archäologische Funde und frühmittelalterliche Ortsnamenerwähnungen können Licht in die Sache bringen.

Vergleichbare Vermessungsraster

Unterpfaffen­hofen

Das Siedlungsquadrat 82119 Unterpfaffenhofens hat in der Uraufnahme etwa 1,5 Stadien (277,5 Metern) Kantenlänge.

Typische Ackermaße sind 212 Meter mal 245 Meter. 212 Meter könnten 6 iugera (213 Meter) entsprechen. Aber eigentlich sehen wir nicht zwingend ein römisches Vermessungsraster in den erhaltenen Ackergrenzen der Uraufnahme.

Abbildung 8 Lila die Extrapolation des Siedlungsquadrats mit 1,5 Stadien Seitenlänge.
Hellblau durchgängige Ackergrenzen.
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0]

In der obigen Karte wurden Ackergrenzen hellblau markiert, die sich über mehrere Äcker durchzogen und/oder sich über Wege hinweg fortsetzen. Das deutet auf frühe Ackergrenzen hin.

Die hellblauen Linien sind im Bereich Unterpfaffenhofens ähnlich orientiert, wie die lila „römischen“ Linien. Weiter nach Osten ändert sich die Orientierung. Das kann bedeuten, daß sich beide Raster an einer relativ geradlinigen alten Straße südlich von Unterpfaffenhofen orientiert haben. Da sich kein durchgängiges rechtwinkliges Raster abzeichnet, kann man nur schwer von einem römischen Vermessungsraster sprechen. Die häufig wiederkehrenden Ackergrößen deuten trotzdem auf eine planvolle Vermessung mehr oder weniger aus einem Guß hin.

Es ist auch keineswegs ausgeschlossen, daß den Flurgrenzen ursprünglich eine römische Vermessung zugrunde lag. Die wäre über die Zeit aber zu stark verformt worden.

Nahe Germering sehen wir vermehrt Ackerbreiten von 165 Metern, was 600 Aschheimer Fuß / Karlsfuß entspricht. Das könnte auf eine frühmittelalterliche, fränkische Landvergabe hindeuten[4]. Bei Aschheim findet man dieses Maß auch häufig.

Argelsried

Argelsried wurde definitiv im 2- actūs-Raster angelegt. Die ursprünglichen Flächen der Villa Rustica addieren sich auch hier zu 1 Centurium = 200 iugera. Das Raster wurde in 4 Streifen mit 4 Actūs Breite angelegt. Alle 2 Streifen wurde ein 15 Meter breiter Weg (50 römische Fuß) angelegt. Der Streifen, der an die neuzeitliche Siedlungsfläche anstößt, erhielt außer der Reihe auch einen Weg.

Die Siedlungsfläche dürfte 4 x 7 Actūs betragen haben.
Völlig außerhalb des Flurvermessungsraster liegt nordöstlich eine nachgewiesene Villa Rustica. Zu klären wäre, ob sie nicht jüngeren Datums ist.

Der Straßenanschluß dürfte primär der Weg Richtung Unterpfaffenhofen und Germering im Nordosten gewesen sein. Richtung Süd-West führte ein Weg an der späteren römischen Höhensiedlung „Weßling-Frauenwiese“ vorbei über Etterschlag nach Inning. Es gibt eine bislang nicht bewiesene Vermutung, daß dies eine römische Fernstraße von Germering bis Windach war.

An die Siedlung anschließend ist im Flurraster kein Weg Richtung Nord-West (Gilching, Schöngeising, Augsburg) oder Süd-Ost (Gauting) erkennbar. Die Villa Rustica Argelsried könnte als also älter sein, als die Römerstraße Gauting-Schöngeising-Augsburg.

Fazit: Die Vermessung in Argelsried und Mauern weist große Parallelen auf. In Argelsried fehlt ein Weg und die Wege sind nur 50 statt 65 Fuß breit. Die Unterteilung der Streifen folgt Actus-Vielfachen. In Argelsried sind die Unterteilungen aber oft 3 – 6 Actūs, im Gegensatz zu den 2 Actūs in Mauern. In beiden Fällen wurden die Ackerflächen zusammengestückelt, um auf 1 Centurium Fläche zu kommen. Auch in Argelsried gibt es Hinweise auf spätere unregelmäßige Erweiterungen der Ackerfläche mit römischen Maßen.

Abbildung 9 Das Vermessungsraster von Argelsried.
Hellblau das vermutete ursprüngliche Raster.
Gelb die spätere Römerstraße.
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0]

Konsequenzen

Bodendenkmal

Man kann das erhaltene Vermessungsraster als Bodendenkmal auffassen.

Bei Baumaßnahmen im Bereich der Mauerner Römerstraße, St.-Georgs-Straße und Vogelhausstraße sollte dringend auf römische Fundamente geachtet werden. Hier ist die Villa Rustica zu verorten.

(Hinweis für Raubgräber: Das Areal ist dicht bebaut. Es ist nahezu ausgeschlossen, dort noch auf Metall zu stoßen.)

Im „Altinger Feld“ nördlich der Unteraltinger Straße ab Hölzbergstraße sollte man ein Auge auf Marmor im Acker haben. Es könnte sich um römische Grabmäler an der Straße außerhalb der Villa Rustica handeln. Die Chance ist aber gering, daß sie den mittelalterlichen Kalkbrennern entgangen sind.

Höher sind die Chancen unterhalb des Mauerner Bergs südlich von Mauern. Hier könnten Muren einige Grabmäler verschüttet haben.

Literatur

Busley, Hejo, Hrsg. Der Landkreis Fürstenfeldbruck: Natur, Geschichte, Kultur. Landratsamt, 1992.

Dannheimer, Hermann. Aschheim im frühen Mittelalter<NZ> 1. Archäologische Funde und Befunde. With Antje Dieke-Fehr. Veröffentlichungen der Kommission zur archäologischen Erforschung des spätrömischen Raetien, Münchner Beiträge zur Vor-und Frühgeschichte 32. Beck, 1988.


  1. Wikipedia zitiert noch eine Urkunde von 1314, wonach ein Herr von Greifenberg Besitz in Mauern an das Kloster Fürstenfeld abtrat (in Volker Liedke, Peter Weinzierl: Landkreis Fürstenfeldbruck (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.12). Karl M. Lipp Verlag, München 1996, Seite 116)



  2. Busley, Der Landkreis Fürstenfeldbruck, 600.



  3. Auf dem heutigen Grundstück Römerstraße 2. Bodendenkmal Aktennummer D-1-7833-0008



  4. Dannheimer, Aschheim im frühen Mittelalter<NZ> 1. Archäologische Funde und Befunde, 205.


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