Altwegeforschung – Forschungsstand und Methoden

Auf der Website www.aventinus-online.de steht ein Artikel, der für unsere Zwecke brauchbar ist. Gudrun hat ihn entdeckt. Ich gebe die für uns wesentlichen Inhalte hier verkürzt wieder. Eigene Anmerkungen stehen in eckigen Klammern.

Veling, Alexander: Altwegeforschung. Forschungsstand und Methoden. aventinus varia Nr. 44 [28.03.2014], in: aventinus, URL: http://www.aventinus-online.de/no_cache/persistent/artikel/9847/

Begriff

Dietrich Denecke prägte den Begriff “Altweg”, da mit dem Begriff “Straße” ein sehr spezielles Konstrukt gemeint wäre, das viele Verkehrsverbindungen ausschließen würde. “Altweg” meint ein von menschen geschaffener Bereich der Landschaft für den Güter- und Personentransport.

International läuft die Altwegeforschung als Teilbereich der “Landscape Archaeology”.

Damit wären Wasserstraßen (Flößerei auf der Amper) und Viehtriebe (Ochsenstraßen) ausgeschlossen, sofern dazu nicht geschaufelt wurde. [Da diese beiden Wegearten gängige alternative Transportmöglichkeiten waren, sollten wir sie nicht ausschließen – auch deshalb weil sonst nicht deutlich wird, warum z. B. ein Weg zu einer Floßlände führt.] Schlittenrouten im Winter über gefrorene Felder und Teiche gab es sicher auch – die wird man in der Forschung aber wohl nur selten fassen können, da sie keine Spuren hinterlassen.

Methoden

[Die meisten Methoden werden in diesem Artikel nur aufgezählt. Das bringt uns nicht weiter.]

Feldbegehung und Identifizierung vor Ort

Vor Ort sieht man am ehesten an Hangkanten eingeschnittene Hohlwege oder an Baustellen/Kiesgruben, wo der Weg angeschnitten ist. Im Flachland waren die Wege so aufgefächert, daß sie kaum erkennbar sind. Im Wald haben sich Wegreste noch eher erhalten – auf gepflügten Feldern eher nicht.

Um Wege von Erosionsrinnen zu unterscheiden, hilft es die Spurweiten zu messen. [Die müssten bei einem Weg natürlich immer gleich breit sein.]

Oft [aber nicht immer] sind Wege erhöht. Man hat also Steine zu Dämmen aufgeschüttet. Oft [aber nicht immer] laufen Drainagerinnen neben den Wegen. Gruben entlang eines Weges können Materialentnahmegruben sein.

Mit Glück findet man Reste von Zaumzeug, Wagenteile, Hufeisen, Schuhe Münzen etc. neben Altwegen.

Hohlwege

Hohlwege werden unterteilt in

  • rezente Hohlwege (noch halbwegs im Originalzustand bestehende Hohlwege)
    • Geleise (ein Paar eingetiefter Radspuren, z. B. viele Forstwege)
      Heißen auch Karrgeleise oder Wagengeleise.
      Teils sind sie durch Abrieb von selbst entstanden (wobei Experimente zeigen, daß das auf Fels kaum passiert), teils wurden sie extra gemeiselt.
      Querstufen oder Querrillen wurden für die Zugtiere und Menschen geschaffen, um nicht wegzurutschen.
      Bergab bremste man man bis in das 19. Jahrhundert einen Wagen durch Blockieren der Räder – da ist ein Lenken nicht mehr möglich und eine Spurrille sehr wichtig. 15 – 20 Jahre hat eine Spurrille gehalten – dann war eine neue nötig. Die meisten Geleise sind aus dem Spätmittelalter oder frühe Neuzeit.
      Die Spurweite soll nicht mit Zollstock an der Oberfläche gemessen werden: Das ist zu ungenau.
    • Kastenhohlwege (kastenförmig eingetiefte Trasse in Böden, in denen sich steile Böschungen gut halten)
  • fossile Hohlwege (was die Natur von ehemaligen Hohlwegen übrigließ)
    • Muldenhohlweg (kann aus Kastenhohlweg entstehen. Also eingetieft, aber mit flachen Rändern)
    • Kerbhohlweg (die Erosion hat den Weg kerbförmig weiter eingetieft – [somit ist natürlich kaum mehr nutzbar])
    • vertilgter Hohlweg (war mal eingetieft, die Erosion hat ihn aber wieder aufgefüllt)
  • relikte Hohlwege (was der Mensch von ehemaligen Hohlwegen übrigließ)
    • Hohlwegterrasse (entsteht durch Abpflügen der Böschung auf der Talseite)
    • Hohlwegdelle (entsteht durch Abpflügen beider Böschungen)
  • ausgebaute Hohlwege

Moorwege

Moorwege bestehen aus bis zu vier Schichten

  • Unterbau (2 parallel Reihen Langhölzer in Längsrichtung. Mit Torf verfüllt.)
  • Deckschicht (quer verlegt Hölzer.
    • Wenn es Pfähle sind, dann ist es ein Pfahlweg / -damm / -steg.
    • Wenn es Bohlen sind: Bohlenweg.
    • Wenn Moorsoden auf Pflöcken: Pflockreihe
    • Wenn Moorsoden ohne Pflöcke: Sodenweg
    • Wenn es Flechtmatten sind: Flechtweg
    • Wenn es vorgefertigte Bündel von Strauchästen quer sind: Faschinenweg
    • Wenn es vorgefertigte Bündel von Strauchästen längs sind: Faschinensteg )
  • Auflage (Torf)
  • Oberbau

Wennn Deckschicht und Unterbau zusammenfallen: Knüppelweg. Wenn einfach nur Strauchäste daliegen: Strauchweg.

Wegtypen

nach Spuren

  • Mehrere parallele Spuren: Spurenstrang
  • auseinanderlaufende Spuren: Spurenbündel
  • Mehrere kreuz und quer verlaufende Spuren: Spurenfeld

nach Nutzung

  • lokaler Weg: Zwischen Feld und Siedlung
  • regionaler Weg: zwischen 2 Siedlungen
  • überregionaler bzw. Fernweg: verbindet Siedlung mit überregional wichtiger Siedlung

bzw.

  • Fußweg
  • Reitweg
  • Fahrweg ggf. unterschieden in
    • Saumweg
    • Karrenweg
    • Wagenweg
  • Treidelweg (neben Flüssen)

Merowingische Wege

[Nachweislich war der Landkreis Fürstenfeldbruck ein Gebiet mit überregionalem Handel und Militärdurchzugsgebiet zur späten baiovarischen Zeit (= Merowinger-Zeit).]

In der Merowingerzeit wurde offenbar nicht einfach nur das alte römische Wegenetz weitergenutzt.Teilweise waren sie schon spätestens im 6. Jahrhundert unbenutzbar. Die Nachnutzung der römischen Straßen bzw. die Anlage paralleler Wege entlang römischer Trassen ist weitgehend unerforscht.

Fazit von Uli

Mir scheint, daß der Artikel einen guten ersten Einstieg liefert. Insbesondere versorgt er uns mit Fachvokabular und weiterführenden Literaturstellen. Sehr oft zitiert er

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