transkribiert von Ulrich Bähr
Bibliographische Angaben
Betreff
Exkursionsbericht von Bruck nach Schöngeising
Originalbuch
Laufzeit: 1871-1873
Titel: Franz Seraph Hartmann: Bericht über den Ausflug mehrerer Mitglieder des historischen Vereins von und für Oberbayern nach Bruck und Umgegend am 16. und 17. September 1871
in
Oberbayerisches Archiv, Band 32. Verlag Dr. C. Wolf & Sohn, München, 1873
Signatur: Bayerische Staatsbibliothek — Bavar. 4334 a
Identifikator: BSB-ID 991126143469707356
Seite: 3-11
Übersetzung: –
Faksimile: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11157536?page=2,3
URN: urn:nbn:de:bvb:12-bsb11157536-2
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Transkription
Blatt 1 links
Am 16. September Vormittags 8 1/2 Uhr traf die Gesellschaft in Bruck ein, wo sie von den dortigen Vereinsmitgliedern bereits erwartet und in herzlicher Weise begrüßt wurde.
Nach eingenommenem Frühstücke begab sich der größere Theil um 9 1/2 Uhr vom prächtigsten Wetter begünstigt auf die Wanderung nach Holzhausen.
Der Weg dorthin führt am rechten Amper-Ufer durch herrliche Buchenwälder, deren kühlender Schatten uns gegen die brennenden Strahlen der Septembersonne schützte.
Um 10 Uhr trafen in der Ortsflur Rankenhausen mit den übrigen Herren der Parthie, welche uns schon dort erwarteten, zusammen; bei ihnen befand sich unser für den Ausflug bestimmter Führer, der Geschichts- und Alterthumsfreund, Schreinermeister Ulmer aus Schöngeising.
Dieser Sammelplatz war absichtlich gewählt, weil sich hier mitten im freien Felde eine trichterförmige Vertiefung befindet, welche das Landvolk als eine „Wolfsgrube“ bezeichnet.
Im Volksmunde geht auch die Sage, daß hier eine zweite Römerstraße von Fürstenfeld her vorbeiführte und in die Straße von Augsburg nach Salzburg mündete; dieselbe ist auch wirklich streckenweise gut als „Hochsträßl“ erkennbar und befindet sich hart bei ihrer Einmündung in bezeichneten Heerweg eine Gruppe von Grabhügeln.
Vom Sammelplatze aus wanderten wir nach erfolgter gegenseitiger Vorstellung nach Holzhausen selbst und berührten vor diesem Orte noch einen Punkt, auf welchem vor 10 Jahren bei Beseitigung und Abräumung eines lebendigen Zaunes ein Grab aufgedeckt worden ist.
In demselben war das vollständige Skelet eines großen Mannes unter einem Steinbaue gelegen; Beigaben waren im Grabe nicht enthalten; diese Stelle wurde im Detailblatte (Steuerkataster) bezeichnet.
Nach kurzer Wanderung gelangten wir zur Römerstraße, welche aber hier nicht in derselben Richtung vor Holzhausen vorüberführt, wie von Herrn von Weißhaupt angegeben wird und in dem topographischen Atlas eingezeichnet ist.
Sie tritt nämlich bei Plan Nr. 262, dem Wirthe von Schöngeising gehörig, aus dem Staatswalde, durchschneidet Plan Nr. 258, von wo sie dann das „Römersträß“ heißt und noch als Feldweg benützt wird, – läuft gegen Plan Nr. 285 und durchschneidet hier die Straße, welche in den Bernriederforst, und zu den beiden dort befindlichen Schanzen führt, und hält schließlich die von Weißhaupt bestimmte Richtung wieder ein.
Nachdem dieser Feststellung entsprechend die Einzeichnung des Straßenzuges in der Karte abgeändert war, wollten wir die obenerwähnten Schanzen besichtigen und durchwanderten deßhalb den Bernriederforst, einen mächtigen und prachtvollen Buchenwald.
Unser Führer hatte sich aber unterdessen mit einigen Herren so in das römische Alterthum vertieft, daß der sonst ortskundige Mann vollständig die Richtung verloren und wir erst nach vielen Kreuz- und Querfahrten die genannten Römerwerke auffinden konnten.
Die bedeutendste Schanze, das große Schloß genannt, liegt in der III. Abtheilung des X. Forstdistriktes „Bernriederwald“ und bildet ein länglichtes Viereck, an welchem zwei Seiten 366 Fuß und die bei den entgegengesetzten 240 Fuß lang sind; nachdem die äußere Wall höhe 13–14 Fuß beträgt, ist die Böschung ziemlich steil; überdieß ist diese Schanze mit einem nassen Graben und Glacis als Annäherungshinderniß verstärkt. Jetzt stehen schöne Buchen auf der inneren Plattform.
Etwa tausend Schritte mehr östlich von dieser Schanze liegt im sogenannten Holzhauserhözl die andere, „das kleine Schloß“ genannt, welche die gleiche Befestigungsweise aber nur in kleineren Verhältnissen zeigt; beide Schanzen scheinen übrigens gleichzeitig gebaut worden zu sein und zu einem und demselben Zwecke, nämlich zur Verstärkung des Amper-Ueberganges gedient zu haben.
Nachdem die nöthigen Vergleichungen der Karten mit der wirklichen Situation dieser Schanzen und die hiebei nothwendig gewordenen Berichtigungen vorgenommen waren, gelangten wir nach einem weiteren halbstündigen Marsche an die Schanzen am Holzhauserberge, welche den Uebergang über die Amper sicherten.
Sie sind 700 Fuß lang, lehnen sich, der Bildung des Bergabhanges folgend, in vierfachen Reihen an den genannten Berg an und beherrschten die vorüberziehende Römerstraße. Die Grabentiefe beträgt 9–10 Fuß, an mehreren Stellen aber auch 30–40 Fuß.
Etwas nordwestlich von diesen Schanzen liegen weitere Erdwerke, welche wohl zum gleichen Zwecke dienten; von hier aus übersehen wir den Lauf der Römerstraße, welchen uns Herr Ulmer gar prächtig mit wehenden Fahnen markirt hatte. Man erkennt ganz deutlich, wie sie aus dem Landsberieder-Walde in die Schöngeisinger-Flur tritt, dieselbe in gerader Linie durchzieht, unterhalb der Insel die Amper überschreitet und zwischen den letzterwähnten einen Brückenkopf bildenden Erdwerken, auf deren Wällen wir unsern Standpunkt genommen hatten, hindurchläuft. – Sie sind gleichfalls bogenförmig gegen die Römerstraße errichtet und liegen vierfach hintereinander; ihre Länge beträgt 1000, die Grabentiefe 9–10 Fuß.
An der rechten Seite der Straße läuft mit derselben parallel ein Wall über 1000 Fuß lang, hinter dem sich ein nasser Graben von wechselnder Tiefe von 20–30–40 Fuß befindet, welcher vom sogenannten Schinderbache auch „Steinmannsbächl“ genannt gespeist wird.
Auf der linken Seite der Straße befinden sich ähnliche Befestigungen, während mit der Amper parallel auch wieder ein Wall läuft, welcher über 1000 Fuß lang ist, und eine Grabentiefe von 14–15 Fuß besitzt. Dieses Werk wird gleichfalls durch den hinter dem Graben vorbeifließenden Steinmannsbach verstärkt.
Nach Besichtigung dieser umfangreichen und mächtigen Erdbefestigungen lenkten wir unsere Schritte zur Insel „Thurm“, deren Name von dem Umstande herrührt, daß auf einer hügelähnlichen Erhöhung der selben ein römischer Wehrthurm gestanden ist, welcher im Jahre 1767 durch Hochwasser eingestürzt und im Jahre 1833 durch eine wiederholte Ueberschwemmung vollständig vernichtet worden sein soll; bei niederem Wasserstande ragen noch einzelne Quaderstücke desselben aus den grünen Wogen der Amper.
Auf der Insel hart neben dem Stege befindet sich ein ziemlich mächtiger Grabhügel; in nächster Nähe der Insel aber auf dem rechten Amper-Ufer ist eine ganze Gruppe solcher Todtenhügel.
Unmittelbar vor dem Orte Schöngeising nimmt man deutlich die Spuren eines Kanales wahr, welcher in die Amper mündet. An Stelle der Kirche soll nämlich ein römisches Bad gestanden haben, zu welchem ein Kanal, welcher erst vor einigen Jahren verschüttet wurde, das Wasser aus der Amper leitete, während der vorerwähnte dasselbe wie der in die Amper abführt.
Im Vorübergehen wurde auch der Kirche ein Besuch abgestattet, auf deren Südseite außen ein Grabstein mit dem Wappen der Dorfzell und Eisenreich jedoch verkehrt eingemauert ist.
Großes Interesse erweckte die in der Sakristei aufgehängte Reihenfolge der von dem herzogl. Kapellmeister Orlando di Lasso in München und andern Frommen gestifteten Jahrtäge.
Zu den vielen Gunstbezeugungen nämlich, welche Herzog Wilhelm V. seinem Kapellmeister erwiesen hatte, fügte er im Jahre 1587 noch eine neue, indem er ihm unterm 17. Jänner einen Garten zu Schöngeising schenkte, „damit er sich hier von den Mühen seines Dienstes erholen könnte“. Noch im selben Jahre gestattete er ihm den vollständigen Aufenthalt an diesem Ruhesitze.
Orlando hatte sich durch seine Compositionen viel Geld erworben, welches er zum größten Theile zum Ankauf von Grund und Boden benutzte und auf diese Weise ein nicht unbedeutendes Besitzthum in Schöngeising erwarb.
Orlando starb am 14. Juni 1594 und stiftete noch zuvor zum Troste seiner Seele die obenerwähnten Jahrtäge. Unterdessen waren die Mahnungen des Magens immer bedenklicher geworden, weßhalb wir dem Wirthshause zueilten um diesem begründeten Anrechte zu willfahren.
Nachdem wir dieser Pflicht gewissenhaft nachgekommen waren, wobei rühmend der Wirthschaft gedacht sei, verfügten wir uns auf die sogenannte „Laichwiese“ auch „Bruckenaich“ genannt, auf welcher sich zahlreiche Grabhügel befinden.
Einige derselben wurden geöffnet und aus denselben Reste eines Gefäßes von Bronze und Stücke von zierlichen Urnen gewonnen.
Von der Laichwiese begab sich die Gesellschaft zurück zur Römerstraße und setzte deren Zug durch die Schöngeisinger Ortsflur in nach stehender Weise fest.
Dort, wo die Straße von Landsberied her aus dem kgl. Walde dem sogenannten Birkeneinfange tritt, macht sie eine kleine Beugung gegen Osten, beschreitet die Gemeindeflur Schöngeising bei Plan.Nr. 06, der Gemeinde gehörig, und schneidet kurz darnach die Bruck-Grafrather Straße, führt durch die Aecker Plan Nr. 877 und 878, dem Wagner Thomas Etschmann Haus Nr. 29 gehörig, welcher sich beklagt, daß er beim Pflügen keinen Untergrund heraufbringe, weil der Boden so fest sei, daß seine Pflugschaar „nicht einbeiße“.
Von da führt sie immer in gerader Richtung durch den Straßanger auf das Dorf zu, so daß Haus Nr. 53 mit allen Gebäuden unmittelbar auf dem Damme steht; hier ist sie auch am deutlichsten zu erkennen, und zeigt eine Dammhöhe gegen 2 Fuß, sowie einen noch ganz gut erhaltenen Graben.
Das daneben stehende Gebäude Haus Nr. 30 zum Straßschuster steht noch zur Hälfte auf der Römerstraße; dann durchschneidet sie immer in nordöstlicher Richtung vom Orte die Plan Nr. 77, 79, 78; dann die sogenannten Esperlaichfelder, kreuzt aber noch zuvor zwischen Plan Nr. 78 und 2 mit dem Feld- und Fußwege, welcher nach Bruck führt; hier ist bei Plan Nr. 888 noch ein kurzer Straßenrest sichtbar.
Dann durchläuft die Römerstraße immer in gerader Richtung die Kretzenhauser Aecker, ferner die Grundstücke Plan Nr. 911, 915, 916 917 und 918. Letzterer Acker ist „Kirchenstiegelacker“ benamset. Die Sage erzählt, daß hier die gegenwärtige Kirche hätte erbaut werden sollen, allein die Engel hätten, was bei Tag hier gebaut wurde, bei Nacht dahingetragen, wo jetzt die Pfarrkirche steht. An diesem Punkte ist die Straße noch erkennbar.
Von Plan Nr. 878 an berührt die Straße die Plan Nr. 939*, 958, 937, 938, 936, 935, 934, 933 – 941, 942, 943, 944, 945, 946, 947, 949, 952, 953, 954, 955.
Bei Plan Nr. 933 kreuzt sie die Distriktsstraße, welche von Bruck nach Schöngeising führt, und läuft in gerader südlicher Richtung der Amper zu, wobei sie die Plan Nr. 941–955 theils berührt, theils durchschneidet, und wo sie namentlich in einem trockenen Sommer deutlich erkennbar ist; endlich durcheilt sie noch die Angerlaichwiese und setzt 20 Schritte unterhalb der Insel „Thurm“ über die Amper.
Am rechten Amperufer durchzieht sie Plan Nr. 260, durchschneidet den Fußweg und dann unmittelbar darnach die Fahrstraße nach dem Zellhof, läuft durch das „Pointl“ und überschreitet zwischen den oben bezeichneten Befestigungen dahinziehend die Holzhauserhöhen. –
Nun gingen wir in das sogenannte Kalkofen-Dickicht, welches von dem Sträßchen nach Grafrath durchschnitten wird. Dieses war eine römische Verbindungsstraße und vermittelte den Verkehr zwischen den beiden Stationen ad Ambre und ad Novas und zwar über Steegen.
Hart am Eintritt dieser Straße in genannten Waldtheil, zur linken Seite befindet sich wieder eine trichterförmige Vertiefung, welche der Volksmund gleichfalls als „Wolfsgrube“ bezeichnet. Referent kann sie für eine solche nicht erkennen; aus diesen trichterförmigen Vertiefungen wäre gefangenen Wölfen das Entkommen auch leicht gewesen; die Wände solcher Gruben, sollten sie ihrem Zweck entsprechen, müßten steiler abgefallen sein.
Zweifellos war die Gegend an der Amper früh und stark bevölkert; die Ausbeute aus den dortigen Gräbern weisen entschieden auf ein keltisches Volk hin; auch kommen solche trichterförmige Vertiefungen in dieser Gegend häufig und sogar in Gruppen vor.
Referent glaubt deshalb den Schluß wagen zu dürfen, daß sie auf ehemalige keltische Wohnungen hindeuten; dieselben waren bekanntlich über solche trichterförmige Vertiefungen aus Holz gebaut und mit Stroh eingedeckt; die Vertiefungen dienten als Keller zur Aufbewahrung von Feldfrüchten und anderen Lebensmitteln.
Derartige trichterförmige Vertiefungen – „Margelles“, „Mardelles“ finden sich in der Schweiz, in Frankreich und in dem Elsaß sehr häufig.
In dem Kalkofendickicht, sowie auf der daranstoßenden Amper wiese befinden sich gleichfalls viele Grabhügel.
Nach Besichtigung derselben wurde unsere Ueberfahrt über die Amper bewerkstelligt, welche auch glücklich von Statten ging; an dieser Ueberfahrtstelle soll in Urzeiten eine Brücke über die Amper geführt haben, und wirklich bemerkt man im Wiesengrunde noch das Segment einer alten Strasse, welches in den Fahrweg, der zur Sunderburg führt, mündet.
Wir verfolgten diesen Weg und gelangten zur genannten Befestigung, welche von großer strategischer Wichtigkeit war. Die Sunderburg ist eine kleine Viertelstunde von Schöngeising südlich auf einer gegen die Amper vorspringenden nicht unbedeutenden Anhöhe gelegen, war stark befestigt und besaß in der Amper, welche an der Westseite des Berges vorüberfließt, eine natürliche Schutzwehr.
Wie auf den Trümmern römischer Befestigungen in der Regel mittelalterliche Burgen erstanden, so hatte auch Graf Friedrich von Diessen und Andechs aus dem vormaligen Lagerkastelle eine feste Burg geschaffen, welche aber auch längst in Trümmer gesunken ist, während sich der rückwärts gelegene und mit vierfachen Umwallungen umgebene Lagerplatz noch ganz gut erhalten hat und seinen römischen Ursprung nicht bezweifeln läßt.
Wie kaum eine Höhe um Schöngeising und Fürstenfeld gewährt diese einen weiten Umblick und bietet eine reizende Aussicht auf das waldumsäumte Amperthal.
Nachdem wir dieselbe genossen eilten wir zu den Grabhügeln im unteren Mühlhardte, in deren Mitte sich die vom Referenten breits beschriebenen heidnischen Opfersteine in einer kreisförmigen Vertiefung befinden.
Diese Steine bestehen aus ganz feinkörnigen glimmerarmen Granit von außerordentlicher Dichtigkeit; jeder derselben hat ein Gewicht von 160–180 Zentner: – zweifelsohne sind sie erratische Blöcke, welche auf dieser Stelle gefunden mit äußerst mangelhaften Werkzeugen zu ihrem späteren Zwecke dienlich gemacht wurden.
Hierauf wurde der Rückweg nach Schöngeising angetreten, welcher uns auf das Sträßchen führte, welches von der Station ad Ambre nach Parthanum und weiter zog; das an dieser Straße gelegene Buchenwäldchen durchfurchen Hochäcker nach allen Richtungen; auch befindet sich in demselben eine Gruppe von Grabhügeln.
Großes Leid entstand unter uns, als wir ein werthes Mitglied unserer Gesellschaft vermißten, und dasselbe ungeachtet Rufens und Suchens nicht auffindig machen konnten; betrübt zogen wir deßhalb fürbaß bis sich in Schöngeising angekommen unser Leid in Freud verkehrte, und wir unsern Schwervermißten wohlbehalten beim frischen Krüglein fanden.
Nach kurzer Rast wurde der Heimweg angetreten, und wir trafen, nachdem schon die Nacht hereingebrochen, von den Anstrengungen des Tages ermüdet aber doch frohvergnügt ob der errungenen Resultate in Bruck ein.
Am 17. September morgens wurde ein Ausflug nach dem Römersträßchen bei Emmering gemacht.
Referent glaubt hier erläuternd bemerken zu müssen, daß außer der großen Heerstraße von Augusta Vindelicorum nach Juvavum noch 3 weitere große Straßen den Brucker Bezirk durchschnitten, welche Handel und Verkehr zwischen Augsburg und Föhring (wahrscheinlicher München) vermittelten.
Dieß waren die Straßenzüge
Augsburg, Friedberg, Odelzhausen, Dachau, München für Handelsgüter;
Augsburg, Kissing, Baindlkirchen, Günzelhofen, Aufkirchen, Maisach, Esting, Olching, Aubing, Lochhausen, Pasing, München für den Viehtrieb und
Augsburg, Althegenenberg, Hattenhofen, Mammendorf, Bruck, München für den Hufschlag.
Den Nachweis hierüber hier zu liefern hält Referent nicht für geeignet; er ist es aber im Stande und wird dieß mit der Vorlage der historisch-topograpischen Beschreibung des Brucker Bezirkes bethätigen.
Hier sei nur bemerkt, daß eingangserwähntes Römersträßchen bei Odelzhausen von der Hauptstraße abzweigt, von Norden nach Süden läuft, hiebei die Ortschaften Rottbach, Maisach, Emmering berührt, und die beiden Straßenzüge Augsburg, Odelzhausen, Dachau, München und Augsburg, Althegnenberg, Bruck, München verbindet.
Dieses Sträßchen führt in ganz gerader Richtung und ist außer halb des Dorfes Emmering bis zur Kapelle am Leithenberge deutlich als Hochstraße zu erkennen, wie es auch im Volksmunde den Namen „Steinweg“ führt. –
Seine Dammhöhe beträgt 6–7“ über der Grundebene, während die Dammbreite sich auf 10“ und oft darüberstellt.
Jenseits der Kapelle geht diese Straße, welche hier von der Landsberger Bahn durchschnitten wird, in einen Hohlweg über; rechts und links desselben sind starke Erdbefestigungen, welche in der Art ihrer Anlage und Ausführung den bei Schöngeising geschilderten vollkommen gleichen, und welche den Uebergang dieses Sträßchens über den Leithenberg schützen.
Sobald dasselbe den Hohlweg betritt, befindet sich links ein mächtiger halbmondförmiger Wall 146 Fuß lang mit einer wechselnden Grabentiefe von 12–25 Fuß und einer obern Grabenbreite zu 28 Fuß zur Vertheidigung der Fronte gegen Norden und Osten. Gegen Westen schützen dasselbe dreifache gegen außen springende Umwallungen mit einer Länge von 230–240, und einer durchschnittlichen Grabentiefe von 6–7 Fuß.
An der linken Flanke der Straße läuft mit derselben bis zu deren Austritt aus dem Hohlwege parallel gleichfalls ein Wall, während die südliche Fronte wieder mit einer dreifachen Umwallung geschützt ist.
Der südlichste Wall hat 48, der nächstfolgende 84 und der hinterste 124 Fuß Länge, bei einer durchschnittlichen Grabentiefe von 6–7 Fuß. Von hier ging die Wanderung auf die Burgstelle „Gegenpoint” welche auf 2 Hügeln und zwar in gleicher Höhe mit dem gegenüber liegenden Osterberge ruht; schwache Mauerreste sind noch erkennbar.
Auf dem äußersten Bergvorsprunge stand die mittelalterliche Burg, welche wahrscheinlich einem römischen Wartthurme ihre Entstehung verdankte.
Auf dem zweiten Hügel, welcher durch einen Graben vom ersten getrennt aufgeworfen ist, sind starke Umwallungen, deren römischer Ursprung sich nicht verkennen läßt; innerhalb derselben sind die Spuren eines Ziehbrunnens und die Grundmauer der im Jahre 1802 oder 1803 niedergelegten St. Nikolaikapelle wahrzunehmen.
Die Steine der mittelalterlichen Burg sollen nach Bruck abgeführt und zum Baue der dortigen Pfarrkirche verwendet worden sein.
Referent hat an dieser Burgstelle Reste von Aschen-Urnen gefunden, welche aber unzweifelhaft der vorrömischen Zeit angehören.
Von der Gegenpoint aus besuchten wir noch eine Stelle an einer Hänge zwischen dem Leithenberg und der Münchnerstraße gelegen, wo sich 5 Grabhügel befinden, von denen 2 ziemlich eingesunken sind, während der mittlere vom Grundeigenthümer abgetragen und das hiebei gewonnene Material abgeführt wurde.
Von hier kehrten wir nach Bruck zurück.
Nach eingenommenem Mittagsmahl setzten wir unsern Ausflug fort und dehnten denselben zunächst auf die römische Schanze im Pucher Gehag-Holze aus; dieselbe ist gegen Süd und West durch steile Abhänge geschützt; die auf der Nord- und Ostseite aufgeworfenen Wälle messen aus der Tiefe des Grabens 20 Schuh; die ein Viereck bildende Schanze mißt in ihrem Umfange 480–490 Fuß.
Von da ging die Wanderung im kühlen Waldesschatten zum Kaiseranger, auf welchem sich die wahre Todesstätte Kaiser Ludwig des Bayers befindet; dann zum Kaisermonumente an der Landstraße. Hier bezieht sich Referent auf seine aktenmäßige Darstellung über diese historisch merkwürdigen Stellen, welche bereits dem sehr verehrlichen Vereine vorliegt.
Vom Kaisermonumente eilten wir endlich in das Lindacherwäldchen, woselbst zu Ehren unserer Gäste eine Waldkneipe improvisirt war; nachdem wir uns hier ein Paar Stunden vergnügt hatten, schlug die Stunde der Trennung und somit hatte der Ausflug nach Bruck und Schöngeising, welcher den verehrlichen Theilnehmern stets in an genehmer Erinnerung verbleiben möge, seinen Abschluß gefunden.
Bruck im Mai 1872.
