“Celtic-Fields” in Dünzelbach-Leinbühl

(Artikel von Ulrich Bähr mit Carsten Driendl, Robert Eichinger, Frank Zimmermann)

LIDAR-Relief

Abbildung 1 “Celtic-Field”-Strukturen westlich und südwestlich von Dünzelbach.
Rot Linien für deutlich erkennbare Wälle. Orange Linien für schwach ausgeprägte Wälle.
[Geobasisdaten: Bayerische Vermessungsverwaltung Nr. 2209-015989]

In den Waldstücken „Leinbühl“ und „Buchholz“ südwestlich von 82273 Dünzelbach (Moorenweis) finden wir rechteckige Strukturen, die weitgehend in Nord-Süd-Richtung orientiert sind.

Fragliche Strukturen

Die sehr regelmäßige Struktur im Westen des Buchholzes nahe der Gemeindegrenze zu Egling ist vermutlich keine „Celtic-Field“-Struktur. Hier wäre noch mit dem Förster vor Ort zu klären, ob es sich nicht um alte Wege von Aufforstungen handelt.

Wenn man die noch erkennbaren Wölbäcker und die „Celtic-Field“-Strukturen übereinander legt, bleiben große Flächen übrig ohne erkennbare Ackerbaustrukturen. In einigen meint man schwache Reste von Wölbäckern zu erkennen. Beispielsweise im Obereglinger Holz erkennt man andeutungsweise schwache Nord-Süd- und Ost-West-orientierte Wälle. Das könnten Reste von „Celtic-Fields“-Strukturen sein.

Überblicksplan

Abbildung 2 Nummerierung der Flächen (blaue Buchstaben) und Begrenzungen (rote Zahlen) von Dünzelbach-Leinbühl
[Geobasisdaten: Bayerische Vermessungsverwaltung Nr. 2209-015989]

Empfohlen für Grabung

Nach Besichtigung der noch erkennbaren Dämme vor Ort erscheint die mit einer schwarzen Eins markierte Stelle auf Damm #4 am geeignetsten. Sie ist gut erreichbar von einem schmalen befahrbaren Forstweg (der gesperrt ist für unbefugte Fahrzeuge). Der Damm ist dort nicht mit Bäumen bewachsen und diente wohl auch als Rückegasse. Da sich der Damm erkennbar in der gleichen Orientierung diagonal zum Weg auf der anderen Wegseite fortsetzt ist nicht zu vermuten, daß Damm #4 mit einem Waldweg verwechselt wird. Auf der anderen Wegseite ist Damm #4 dicht mit Fichten bestanden. Evtl. ist der Damm #4 durch Forstfahrzeuge stärker verdichtet worden.

Falls Damm #4 sich bei einer Grabung als ungeeignet erweist, kann gleich daneben Damm #1 angegraben werden. Dort stehen aber Fichten darauf.

Mobilfunknetz: fehlt

Grabungspunkt mit dem Auto erreichbar: ja

Abbildung 3 Damm #4 einer “Celtic-Field”-Struktur markiert mit Holzspießen und Wattekugeln
[Photo: Robert Eichinger, 03.09.22]

Abbildung 4 Damm #4 einer “Celtic-Field”-Struktur markiert mit Holzspießen und Wattekugeln – von der Seite
[Photo: Ulrich Bähr, 03.09.22]

Auswertung der Strukturen

Leider finden wir in Dünzelbach-Leinbühl fast nur Fragmente von Flächen. Nur ein Rechteck ist noch erkennbar geschlossen: Fläche A.

Die Flächen sind relativ streng im Nord-Süd-Raster ausgerichtet. Die durchschnittliche Abweichung der Kanten von diesem Raster beträgt nur 7,8 °

Die Flächen sind eher quadratisch, als langgestreckt. Das Kantenverhältnis der kürzesten zur längsten Kante beträgt zwischen 1: 1,1 und 1: 1,7 (Mittelwert; 1:1,3). Das ist typisch für „Celtic-Field“-Strukturen.

Die Flächengrößen können hier nur grob geschätzt werden. Aber eine Durchschnittsfläche von 0,6 ha ist typisch.

Die wenigen erhaltenen Dämme deuten an, daß sich zwischen den Flächen keine Lücken oder Wege befinden. Auch das ist typisch.

Alle vor Ort identifizierten Dämme hatten eine Breite von grob 4 Metern.

Abbildung 5 “Celtic-Field”-Dämme in Dünzelbach-Leinbühl
[Geobasisdaten: Bayerische Vermessungsverwaltung Nr. 2209-015989]

Fläche

kurze Kante [m]

lange Kante [m]

Ausrichtung

Fläche [ha]

Kantenverhältnis

A

58, 62

84

4, 2: 179°

0,5

1 : 1,4

B

70 (?)

87 (?)

1, 3: 80 °

0,6 (?)

1 : 1,2

C

66

68 (?), 88 (?)

5: 87 °
8: 70 ° / 90 °
6: 193 °

0,6 (?)

1: 1,1

D

76

106 (?)

8: 180 °

0,8 (?)

1 : 1,2

E

58 (?)

68 (?)

9: 90 °
10: 180 °

0,4 (?)

1: 1,4

F

60

101 (?)

13: 280 °
11: 190 °

12: 93 °

0,6 (?)

1 : 1,7

Bodendenkmäler im Umfeld

Hügelgräber

Bei Dünzelbach-Leinbühl sind die nächsten bekannten Hügelgräber 1 km entfernt. Das ist bei „Celtic-Fields“ im Umkreis von München ungewöhnlich weit.

Hügelgräber finden wir manchmal als Einzelhügel, aber meistens in Gruppen. Einige der Gruppe weisen eine gewisse Linearität auf, die die Frage aufgeworfen hat, ob sie nicht entlang eines Weges angelegt wurden.

Die nördliche Gruppe der Dünzelbacher Hügelgräber verläuft in Ost-West-Richtung. Wie meistens liegen die Hügel gut sichtbar auf einem Höhenrücken (rund 10 Meter höher, als das umgebende Gebiet). Im Westen würde dieser gedachte „Weg“ auf die Römerstraße führen (bzw. ihren Vorläuferweg). Im Osten liegt in gut 1 km Dünzelbach – falls das zur Hallstattzeit bereits bestand. Diese Hügelgräbergruppe liegt aber 1 km nördlich der „Celtic-Field“-Struktur.

Abbildung 8 Hügelgräbergruppe nördlich der “Celtic-Field”-Struktur
[Geobasisdaten: Bayerische Vermessungsverwaltung Nr. 2209-015989]

„Celtic Field“-Strukturen

Dünzelbach-Leinbühl steht stellvertretend für viele „Celtic-Fields“-Strukturen zwischen Ammersee und Pfaffenhofen a.d.Glonn. Praktisch in jedem Waldstück in diesem Areal findet man entweder „Celtic-Fields“-Strukturen oder die als jünger eingestuften Wölbäcker (die möglicherweise vorher existierende Strukturen weggepflügt haben). Einige Verdachtsfälle (z. B. Mering-Meringer Hart oder Ried-Burgstaller Schlag) sind dabei gar nicht markiert.

Abbildung 9 “Celtic-Field”-Strukturen zwischen Ammersee und Pfaffenhofen a.d.Glonn. Jeder rote Punkt steht für eine identifizierte Struktur.
[Quelle: Google-Earth vom 17.09.22 und Dokumentation von Volker Arnold.]

Dünzelbach im Mittelalter

82272 Dünzelbach (Moorenweis) war im Mittelalter deutlich bedeutsamer, als heute. Durch den damaligen intensiven Ackerbau wurden vorangegangene Ackerbauspuren weitgehend ausgelöscht, wenn es sie gab.

Die spätgotische Kirche St. Nikolaus wirkt für das heutige Dünzelbach mit weniger als 500 Einwohnern groß. Wohl ab dem 13./14. Jahrhundert war Dünzelbach ein Ministerialensitz und später Hofmark[1]. Der abgegangene „Burgstall mit Turmhügel des Mittelalters und der frühen Neuzeit (“Veste Dünzelbach”)“[2] zeugt davon.

Dünzelbach ist als Straßendorf an der Verbindung von Moorenweis nach Egling (und somit Augsburg) angelegt.

Die mittelalterliche Bedeutung des Ortes kann die ausgedehnten Wölbäcker im Umkreis erklären.

Abbildung 10 Wölbäcker (grüne Linien) in dem geschlossenen Waldgebiet westlich und südlich von Dünzelbach
[Geobasisdaten: Bayerische Vermessungsverwaltung Nr. 2209-015989]

Römische und mögliche latènezeitliche Altwege

Das nahe Moorenweis war womöglich ein frühmittelalterlicher Zentralort. Es lag, genau wie Dünzelbach, in dem Winkel zwischen dem Ammersee und

  • der ehemaligen Römerstraße[3] die von Scharnitz, Partenkirchen über Weilheim, am Westufer des Ammersees vorbeiziehend, nach Augsburg zielte.
    Diese Römerstraße war keine 2 km von Dünzelbach entfernt.
    Viereckschanzen findet man entlang dieser Strecke erst deutlich weiter südlich bei Utting.
  • der ehemaligen Römerstraße Augsburg-Schöngeising-Gilching-Salzburg
    Dünzelbach ist, genau wie Moorenweis, keine 2 km von der Fernstraße Augsburg-Gilching-Salzburg entfernt. Ein Teilstück dieser Römerstraße[4] zielt sogar – an einer Viereckschanze vorbei – von Egling kommend auf Dünzelbach.

Diesen Raum galt es im Frühmittelalter zu kontrollieren, um auch den Fernverkehr zwischen Augsburg, Salzburg und Bozen zu kontrollieren. Vor allem die Nord-Süd-Route Augsburg-Brenner ist von etlichen mittelalterlichen Burgställen gesäumt. Eine gezielte strategische Gründung Moorenweis‘ vor 600 v. Chr. kann vom Ortsnamen abgeleitet werden[5].

Zumindest beim Abschnitt Schöngeising-Gilching der Römerstraße wird ein Vorgängerweg vermutet, der zeitlich einen Bezug zur späten Latènezeit (ca. 150 bis 50 v. Chr.) haben müßte, da er von mehreren Viereckschanzen begleitet wird. Ob auch der anschließende Abschnitt der Römerstraße bis 86492 Heinrichshofen (Egling a.d.Paar) einen latènezeitlichen Vorgängerweg hatte ist unklar. Somit kann nur spekuliert werden, ob das nahe Dünzelbach keltisch besiedelt oder gar bedeutend war.

Abbildung 11 VIA „RAETIA“ (rot) und der Straße Augsburg-Schöngeising-Gilching-Salzburg (gelb). Grün ist eine vermutete Straße vom Westufer des Ammersees über Türkenfeld nach Norden. [Quelle: GoogleEarth, 2020 GeoBasis-DE/BKG, Aufnahme vom 6/3/19]

Literatur

Bergheim, Anna Ulrike (Herausgeber), und Werner (Herausgeber) Dreher. Schlösser, Burgen und Burgställe im Landkreis Fürstenfeldbruck. Brucker Blätter. Fürstenfeldbruck: Historischer Verein Fürstenfeldbruck, 2015.

Heitmeier, Irmtraut. „Das planvolle Herzogtum – Raumerschließung des 6. – 8. Jahrhunderts im Spiegel der Toponymie“. In Gründerzeit – Siedlungen in Bayern zwischen Spätantike und Frühmittelalter. St. Ottilien: EOS, 2019.

Kossack, Georg. Südbayern während der Hallstattzeit. Römisch-Germanische Forschungen. de Gruyter, 1959.

  1. Anna Ulrike (Herausgeber) Bergheim und Werner (Herausgeber) Dreher, Schlösser, Burgen und Burgställe im Landkreis Fürstenfeldbruck, Brucker Blätter (Fürstenfeldbruck: Historischer Verein Fürstenfeldbruck, 2015), 118 spricht von 1330.

  2. Bodendenkmal D-1-7832-0045

  3. Bodendenkmal D-1-7832-0083, D-1-7831-0012, D-1-8032-0100 etc.

  4. Bodendenkmal D-1-7832-0233

  5. Irmtraut Heitmeier, „Das planvolle Herzogtum – Raumerschließung des 6. – 8. Jahrhunderts im Spiegel der Toponymie“, in Gründerzeit – Siedlungen in Bayern zwischen Spätantike und Frühmittelalter (St. Ottilien: EOS, 2019).

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