HStA KL Taxa Fasz. 725_15 Dezimationsquantum – 1796

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München

transkribiert, übersetzt von Christa Liebert, Miesberg 1 85235 Pfaffenhofen a d Glonn

Bibliographische Angaben

Betreff

Französische Soldaten besetzten 1796 das Kloster Taxa: Situationsbericht

Kloster Taxa bei 85235 Odelzhausen, Lkr. Dachau

Originalurkunde

Laufzeit: Jahr 1797

Signatur: Kl Taxa Fasz. 725_15 Dezimationsquantum

Signatur: P. Urbanus a S. Joanne Babtista/ Prior d. Convents in Taxa

Seite: nicht paginiert.
1280262, 1280263, 1280266, 1280265
drei Seiten und eine Seite zur Aufstellung des Schadens

Faksimile: –

Transkription

P 1280262

Durchlauchtigster Churfürst,

Gnädigster Herr Herr!

Vermög das von der zu Freysing aufgestellt Päpstlichen

Subdelegations Decimations Commihsion gnädigst erhaltenen

Befehls de dato 6. et prohl. 12. Febr. 1797. sollen wir Augu-

stiner Barfüßer im Kloster Taxa den pro anno 1796.

noch ausständigen Decimationsbeytrag p. 30 f. in termino

14 Tagen a´ die recepti dorthin einsenden, oder uns mit

einer erhaltenen gnädigsten Nachlaß Resolution legitimieren.

Wir lebten bisher immer der getrösten Hoffnung, und

zweifelten nicht im geringsten, daß wir wegen dem

aller orten bewußten und bekannten feindlichen Ueberfall

der Franzosen von der Bezahlung der Decimation gänzlich

befreyt seyn würden, als welche uns den größten Schaden

zugefügt haben. Der 25. August des verflossenen Jahres

war jener schaudervolle Tag, an welchem die französische

Avantgarde Schaarenweise zu acht, oder neunmal unser

Kloster feindlich überfiel, Geld forderten, und plünderten.

Den Tag darauf kam die ganze Armee, und lagerte sich

um das Kloster ringsherum. Durch 4 Tage hatten wir

täglich 46 Officier, und etliche hundert gemeine Soldaten

auszuspeisen; ja dem tausend nach kamen sie in unser

Kloster, und nahmen Gewaltthätig Wein und Bier ganze

Schäfl und Zübervoll mit sich fort. Wein müssen wir haben,

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hieß es bey ihnen immer, so daß wir genöthiget würden, nach

Schwabhausen und Fürstenfeldbrugg um etliche Eymer Wein

zuschicken um nicht noch mehr mißhandelt, oder wohl gar

abgebrannt zu werden, wie sie uns öfters drohten. Bey

der Abreise, die erst den fünften Tag geschah, nahmen sie

4 Eymer Wein mit sich fort, welcher kurz darauf gekommen

war und auf welchen sie gefließentlich gewartet hatten.

Auf dem Rückzug derselben wurden 60 und bey der

Ankunft der Condeer 100 Officire bey uns angesagt,

für welche wir nebst überaus vielen gemeinen Soldaten

Speis und Trank herbeyschaffen mußten. Nach dem Ab-

zug der Condeer kamen abermal täglich die französische

Patrioten, und forderten immer zu essen und zu trinken;

und dieses dauerte noch acht ganzer Tage, so daß wir selbsten

nichts mehr zu leben hatten, nicht einmal ein Brod, welches

wir sogleich betteln mußten, von dem erstaunlichen Schrecken

nichts zu melden, welchen wir diese schaudervolle Tage hin-

durch ausgestanden haben, und welchen sich niemand vor-

stellen kann, als der es selbst erfahren hat. Der Schaden,

den wir dadurch erlitten haben, macht über 1500. f aus,

wie aus der Beylage deutlich zu ersehen ist. Fürwahr

ein grosser und höchst beträchtlicher Schaden, besonders

für ein Kloster, wie das unsrige ist, welches gar keine

Fundation hat, sondern bloß vom Almosen, und Meß-

Stipendien sich kümmerlich erhalten muß, vorzüglich

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P1280266

zu itziger Zeit, wo alles so theuer, und im höchsten Werthe ist.

Dieser Ursachen halber fallen Euer Churfürstlichen

Durchlaucht wir arme und verunglückte Mendicanten in

unserer äußersten Noth und Betrübniß zu Füßen,

und stellen an Höchstdieselben unser unterthänigst

Decimation p. 30. f gnädigst nachzulassen, und

von der Bezahlung derselben gänzlich freiyzusprechen,

sodann das dießfalls erforderliche an die oben bemeldte

aufgestellte Päpstl. Subdelegations Decimations Commihsion

in Freysing gnädigst ergehen zulassen; als zu welch

gnädigster Bitt-Erhör, und übrig fortdauernden

Churfürstl. Höchsten Hulden und Gnaden wir uns

unterthänigst gehorsamst enpfehlen.

Euer Churfürstl. Durchl.

Unterthänigst Gehorsamster

P. Urbanus a S. Joanne Babtista

p. t. Prior et Convent in Taxa.

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Beschreibung

Des Schadens, welchen wir Augustiner Barfüßer

Im Kloster Taxa durch den feindlichen Ueberfall

Der Franzosen 1796. Erlitten haben.

f X

1.) an baarem Geld 338. —

2.) Wein 256. 24

3.) Bier 360. —-

4.) Brandwein 96. 18

5.) Fleisch 94. 40

6.) Geflügel 31. 15

7.) Brod und Mehl 58. —–

8.) Schmalz und Ayer 36. —–

9.) Zucker und Caffee 39. 35

10.) Gartengemüß 28. ——

11.) Zinn. Krüg, Gabel, Messer, Löffel und Tischzeug 83. —–

12.) Holz 42. —–

13.) Ciborideckl von Silber 18. —–

14.) allerhand anderer Sachen 34. —-

Summa. 1515. 12

Übersetzung

Seite 1

Der Churfürst stellt der päpstliche Commission von Freising den Befehl: die Augustiner Barfüßer vom Kloster Taxa sollen entweder 30 Gulden innerhalb von 14 Tagen bezahlen oder ihren Schaden darstellen um einen Nachlass zu bekommen.

Die Klosterbewohner dachten immer, dass sie von der Bezahlung freigestellt würden, nachdem was ihnen von den Franzosen angetan wurde.

Am 25. August 1796 wurden sie von den französischen Soldaten acht oder neunmal überfallen, dabei Geld gefordert und geplündert haben.

Am Tag darauf kam die ganze Armee und belagerten sie. Durch 4 Tage hindurch hatten sie 46 Offiziere und mehrere hundert Soldaten zu verköstigen. Es waren fast Tausend, die ihnen Wein und Bier gestohlen haben.

Seite 2

Es hieß, Wein müssten sie immer haben, so dass sie genötigt waren in Schwabhausen und Fürstenfeldbruck Wein zu kaufen um nicht noch mehr misshandelt oder gar abgebrannt zu werden, wie sie ihnen damit öfter drohten.

Nach 5 Tagen bei der Abreise, als der Wein von Schwabhausen und Fürstenfeldbruck ankam, nahmen sie 4 Eimer Wein mit sich fort. Sie haben extra dafür gewartet.

Zuvor ließen sie wissen, dass 100 Offiziere und viele Soldaten kommen werden, für die sie Speis und Trank herbeischaffen mussten.

Täglich kamen dann französische Patrioten und forderten zu essen und zu trinken. Das ging 8 Tage so weiter, sodass sie selbst nichts mehr hatten, nicht einmal mehr ein Brot, das sie somit erbetteln mussten. Das kann sich niemand vorstellen, was sie ausgestanden hatten, nur, der es selbst miterlebt hatte.

Ein so großer Schaden für ein Kloster, das keine Besitzungen hat, sondern nur von Almosen und bezahltem Messelesen lebt.

Seite 3

Noch dazu in der Zeit, in der sich alles so verteuert hat.

In dieser Not und Betrübnis bitten sie der Churfürstlichen Durchlaucht um eine Befreiung der Bezahlung.

Erläuterungen

Zur Urkunde

Seite 3 ist so verständlich geschrieben, so dass es keiner Transkription bedarf.

Zum Inhalt

Condeer / Armee der Condeer: Kämpfer der Armee de Condé – einer französischen royalistischen Armee unter dem Prinzen von Condè.

Mendikanten: Bettelorden – aus dem Latein: medicare = betteln

Ciborideckel: liturgisches Gefäß der kath. Und orthodoxen Kirche zur Aufbewahrung konsekrierter Hostien. (lateinisch: Trinkbecher)

Barfüßer: als Bettelorden, die nach der Regel des hl. Augustus mit aktivem Wirken in der Welt durch Seelsorge und Bildungsarbeit leben.

Der bekannteste deutsche Augustiner- Barfüßer war Joh. Ulrich Megerle (1644 – 1709) mit dem Ordensnamen Abraham a Sancta Clara.

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