Max Freiherr von Perfall

Schloß Greifenberg an der Römerstraße

von Ulrich Bähr (nach einem Hinweis von Dieter Heß)

hypothetische Römerstraße von Utting nach Moorenweis

hypothetische Römerstraße von Utting nach Moorenweis

Römische Bodendenkmäler südlich Landsberg-Gauting

Römische Bodendenkmäler südlich Landsberg-Gauting

Zusammenfassung

Keine konkreten Hinweise

Max Freiherr von Perfall erwähnte in seinem Buch von 1846 Römerstraßen bei Greifenberg.

Bei genauer Betrachtung ergeben sich leider kaum neue Erkenntnisse.

  • Zwischen Landsberg und Stegen/Inning gibt es weiterhin keine belastbaren Nachweise einer Römerstraße. Immerhin ist die Schlechtwiesenstraße zwischen Windach und Greifenberg als mögliches Relikt dieser Römerstraße ins Spiel gebracht worden.
  • Für eine mögliche römische Nord-Süd-Vicinalstraße am Westrand des Ammersees durch Greifenberg, Türkenfeld und Moorenweis sind keine neuen Belege hinzugekommen. Sie gilt weiter als logisch, ist aber nur auf vage Hinweise gestützt.

Max Freiherr von Perfall

Der Mensch[1]
Max Freiherr von Perfall

Abbildung 1 Max Freiherr von Perfall, gemalt von Wilhelm Leibl 1877/78[2]

geboren: 16.03.1814, München
gestorben: 23.08.1877, Schloss Greifenberg
1833 Abitur in RegensburgJurastudium in München, 1841 Staatsexamen
Verwaltung des Guts Greifenberg am Ammersee und der Vergrößerung des Besitzes
1852 Errichtung des von Perfallschen Fideikommisses Greifenberg
Königlicher Kammerherr
Mitglied des Oberbayerischen Landrats
Streiter für ein Großdeutschland und den Anschluss an PreußenPerfalls Porträt von Leibl hängt in der Bayerischen Staatsgalerie
Ab 14.01.1867 im Landtag als Nachfolger des ausgetretenen Friedrich Graf von Hegnenberg-Dux


[3]

Seine Bücher

Freiherr von Perfall hat mehrere Bücher geschrieben:

Hinweis auf Römerstraßen

Auf der ersten Seite seines Buches „Urkundliche Mittheilungen…“ [Seite 316 im Druck] erwähnt er Römerstraßen durch den Ort Greifenberg. Diesen kurzen Hinweisen wird hier nachgegangen.

Transkription (Max Freiherr von Perfall, 1846)

Seite 316

XII.

Urkundliche Mitteilungen

überr das

Schloß Greifenberg und seine Besitzer

Von

Max Freiherrn von Perfall.

Das Dorf Greifenberg, an der München-Lindauer-Landstraße, 10 ¾ Poststunden von München, 4 ¼ von Landsberg und eine halbe Stunde vom rechten Ufer des Ammersees entfernt, zählt bei 46 Haͤusern gegen 200 Seelen, ist der Sitz eines Patrimonialgerichtes II. Classe, seit 1507 im Besitze der Freiherren von Perfall, gehoͤrt zum Landgerichtsbezirke Landsberg und in die eine halbe Stunde entfernte Pfarrei Peuern.

Der groͤßte Theil des Dorfes liegt auf einer Anhoͤhe; nur 9 Häuser, der Valloh genannt[4], liegen am oͤstlichen Fuße des Berges, am westlichen Fuße derselben liegt das seit 1836 gegruͤndete Theresien-Mineralbad.

Das Schloß steht allein auf einem kegelfoͤrmigen Berge, von einer Terrasse und vorne mit einem tiefen und breiten Graben umgeben. – In dem Schlosse befindet sich eine dem hl. Georg geweihte Kapelle, außer dieser ist noch eine von den fruͤheren Wirthseheleuten Ziegler 1709 gestiftete Kapelle im Dorfe.

Die oͤrtliche Lage von Greifenberg, in der Nähe der uͤber Urusa (Utting) ad Ambra (Schoͤngeissering) voruͤberziehenden Roͤmerstraße, an der von Landsberg nach Stegen fuͤhrenden roͤmischen Vicinalstraße gelegen[5], (Pallhausen[6] S. 263) die

Seite 317

Roͤmerschanzen bei Achselschwang zwischen Oberwindach und Unterfinning, die segenannte Burg bei Unterwindach und bei dem Einoͤdhof Burgholz berechtigen zu der Annahme, daß dieser zu einer Befestigung geeignete Punkt von den Roͤmern, die ihre Straßen allenthalben in angemessener Entfernung durch Castelle, Lager, Schanzen oder Warttuͤrme zu schuͤtzen pflegten, zu diesem Zweck benuͤtzt worden sey. Den Aufenthalt der Roͤmer in hiesiger Gegend beweisen ferner die vielen roͤmischen Grabhuͤgel im Walde Weingarten nahe der eine Viertelstunde von Greifenberg liegenden Aufmühle (Repert. des Atlasblattes Landsberg. S. 44), die Reste roͤmischer Bauten am Ufer des Ammersees am sogenannten Buͤhel. wo man noch Bruchstuͤcke aus samischer Erde findet, und die vielen roͤmischen Muͤnzen, welche theils ausgeackert, theils von Maulwuͤrfen ausgeworfen wurden, und sich im Besitze des Verfassers befinden. An dem Schlosse selbst befinden sich keine Spuren einer roͤmischen Bauart, der mittler Theil scheint der aͤlteste zu seyn, der linke Theil brannte erst 1760 ab und wurde zu dieser Zeit wieder aufgebaut.

[…]

Transkription (Vinzenz Pall von Pallhausen, 1816)

Seite 261

Nun, nachdem wir von Abudiacum her XX. kleine römische Meilen zurückgelegt ha­ben, kommen wir zu der in der Tabula Th. Peuting. angegebenen Station:

AD NOVAS,

das ist Landsberg. Der Ort ist zwar unter diesem Namen nicht alt; als Stadt kömt er gar erst um das Jahr 1315 vor; jedoch war er schon um das J. 1192 ein beträchtlicher Flecken. Allein das neuere Landsberg hatte mit dem dortigen alten Schlosse, wovon noch die Rudera zu sehen sind, in ältern Zeiten einen andern Namen: Es hieß Phe-

Seite 262

tine. (Man sehe die Mon. Boica. T. VII. p. 3153 , 308, 389 und 4 g: „Landsberg, alias oli . Phetine. „Aber was soll die Benennung Phetine mit: ad Novas, für einen Zusammenhang haben?” – Das will ich Ihnen gleich erklären. Bey: ad Novas, verstanden die Römer arces, munitiones, oder plantationes etc. Phetene bezeichnet im Keltischen und Griechischen ebendasselbe,

(Φυτεγώ = planto, Φυταγη = plantationis locus u. s. w. Also haben die Römer den älteren Namen Phetine lediglich in’s Latein übersetzt. Selbst das Wirthshaus zu Spötingen gehörte zu dieser neuen Anlage; denn δπευδεω und δπευδογτα = maturare, diligenter parare. Wir können also nicht fehlen, wenn wir die Römerstation ad Noras nach Landsberg und dessen Umgebung setzen, um so weniger, als auch das Meilenmaaß im Ganzen berechnet, zusammentrift; denn wenn wir auch die dritte Römerstrasse in Vergleich ziehen, so stimmt die Angabe der Meilen, nämlich von Parteno XX ad Pontes Scaffanios, und XL ad Ambram, auf folgende Weise eingetheilt, überein:

von Partano 20 ad P. Scaffanios;

10 nach Abudiacum;

18 ad Novas, und

12 ad Ambram.

– – – – –
60

Seite 263

folglich um VI. M. P. weniger, als von Partenkirchen nach Augsburg, welches mit dem Verhältnisse der beyden Distanzen genau übereinkömmt, da von Landsberg nach Augsburg um 2 bis 3 Stunden mehr sind, als von Landsberg nach Eching [82279 Eching am Ammersee, Landkreis Landsberg] oder Stegen [82266 Stegen (Inning am Ammersee), Landkreis Starnberg] an der Amber. — An der Vicinalstrasse von Landsberg ad Ambram heißt der erste Ort wieder Stillarhof [86929 Stillern (Penzing), Landkreis Landsberg am Lech], wo also nach obiger Bemerkung ebenfalls eine römische Wegsäule gestanden ist. Diese Strasse geht uns aber itzt nichts an.

Von Phetine (Landsberg) aus nach Augsburg hatten die Römer zuverlässig zwey Strassen, eine dies- und eine jenseits des Lechs. Die diesseitige ist die ältere; wovon man aber im sandigen Boden nur wenige Spuren sieht. Ich will Ihnen jedoch einige merkwürdige Orte an derselben, wenigstens auf der Landkarte, anzeigen, woraus sie sich einen neuen Begriff von den römisch-bojoarischen Anstalten werden machen können.

Das erste Oertchen nächst Landsberg am rechten Ufer ist Sandau [86899 Landsberg-Sandau, Landkreis Landsberg am Lech]. Dieß gehörte noch zu den neuen römischen Anlagen ad Novas) und war eine Anlände für Schiffe;

Σχγιδιόγ = valva navium: Also nicht eine Sandau oder sandige Au, sondern eine

Seite 264

Schiff- oder Schifferau. Das Stappel- oder Anländrecht von Landsberg kōmmt auch in Urkunden vor. In der Mitte des 8. Jahrhunderts wurde von den mehrmal genannten drey Prinzen zu Santouwa ein Kloster erbaut.

Zu Epfenhausen in Urkunden Epiphanhuisin) stand zu der Rörner Zeiten ein Wachthurm, oder sonst ein starker Wachposten; denn επιφαιγόμαι = occurro, me objicio, praesto sum etc. — Das weiter nördlich liegende Dorf mit dem keltischen Namen Wabern war ein Unterlagsort, wo man eine Jause haben konnte. — Nächst daran ist Hattenhofen, ein Trauerort, eine Begräbnisstätte; Ατή war die Tochter der Göttin der Nacht.

Egling (Egheling in Urkunden) ein Krankenhaus, ein Ort, wo die Verwundeten verbunden werden; εγχήλός = ligatio chyrurgica.

Gesicherte römische Straßen rund um Greifenberg

Allgemein

Abbildung 2 Römische Bodendenkmäler (grün) rund um Greifenberg
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0] und Bodendenkmalskarte des Bayerisches Landesamtes für Denkmalpflege]

Wir sehen westlich von Greifenberg die gut belegt Römerstraße von Augsburg-Heinrichshofen-Egling-Windach-Dießen-Raisting-Wielenbach.

Ost-West

Entlang der früheren Chaussee München-Landsberg am Lech (heute BAB 96) eine Brücke über die Windach oder die Amper und Gräber.

Gauting war ein gut belegter römischer Knotenpunkt.

Zwischen Landsberg am Lech und Kaufering wurden zwei Siedlungen und eine Villa Rustica gefunden. Südlich von Pitzling eine weitere römische Siedlung.

Abbildung 3 Römische Bodendenkmäler (rot)
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0 mit Daten der und Bodendenkmalskarte des Bayerisches Landesamtes für Denkmalpflege]

Nord-Süd

Südlich von Greifenberg selbst fand man römische Gräber, die gerne an Wegen errichtet wurden. Nördlich von Greifenberg sehen wir Richtung Egling an der Paar zwei Villae Rusticae

Abbildung 4 Römische Bodendenkmäler (rot)
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0 mit Daten der und Bodendenkmalskarte des Bayerisches Landesamtes für Denkmalpflege]

Südlich von Schondorf am Ammersee lagen zwei Villae Rusticae, die 3,5 km entfernt von der nächsten Römerstraße lagen. Die Villa Rustica nördlich von Türkenfeld liegt sogar 4,5 km entfernt von der nächsten Straße.

Interpretation

Gräber legten Römer häufig entlang der Straßen in der Nähe ihrer Siedlungen an. Bei Sixenried, Greifenberg und Eching fehlen uns noch die dazugehörigen Siedlungen – und die Straße. So kann man über einen römischen Weg rechts des Lech spekulieren[7]. Eine Ost-West-Verbindung zwischen dem heutigen Landsberg am Lech und Gauting liegt nahe, auch wenn es bislang keine archäologischen Beweise oder Urkunden dazu gibt.

Eine Römerstraße von Utting/Schondorf über Greifenberg, Türkenfeld, Eismerszell, Dünzelbach hätte den Raum zwischen den bekannten Römerstraßen gut erschlossen. Das könnte auch den Römerstraßen-Stummel zwischen Dünzelbach und Egling an der Paar gut klären (der aber auch eine Alternativroute von Heinrichshofen-Schöngeising-Gauting sein kann).

Analyse der Aussagen

Die Aussagen zu Römerstraßen

1) In der Nähe von Greifenberg liegt die Römerstraße von Urusa (Utting) nach Ad Ambra (Schöngeising).

2) Greifenberg liegt an der römischen Vicinalstraße von Landsberg am Lech nach Stegen. Von der Vicinalstraße gibt es zwei Spuren:

2.a)„eine halbe Stunde von Greifenberg auf der sogenannten Schlechtwiese“

2.b) „zwischen Unterwindach und Scheffelding links der Landstraße“

Die Aussagen zu römischen Hinterlassen­schaften

3) Es gibt eine Römerschanze bei Achselschwang zwischen Oberwindach und Unterfinning

4) Es gibt „die sogenannte Burg bei Unterwindach“

5) Es gibt eine Römerschanze bei dem Einödhof Burgholz

6) Es gibt römische Grabhügel im Walde Weingarten nahe der Aumühle.

7) Es gibt „Reste römischer Bauten am Ufer des Ammersees am sogenannten Bühel, wo man noch Bruchstücke aus samischer Erde[8] findet“

Aussage #1
Nord-Süd-Römerstraße

Die „Nähe von Greifenberg“ ist interpretationsfähig. In 3,3 km Entfernung von Greifenberg liegt die gesicherte Römerstraße Raisting-Dießen-Achselschwang-Windach-Eresing. Diese Römerstraße führt dann aber nach Augsburg und nicht nach 82296 Schöngeising [Landkreis Fürstenfeldbruck]. Es gibt zwar in 86492 Heinrichshofen (Eglng) [Landkreis Landsberg am Lech] einen Abzweig über 82296 Schöngeising [Landkreis Fürstenfeldbruck] nach 82131 Gauting [Landkreis Starnberg].

Allerdings berührt diese Römerstraße nicht Utting. „URUSA“ war auch nicht 86919 Utting [Landkreis Landsberg am Lech], sondern 82399 Raisting [Landkreis Weilheim-Schongau].

Es gibt keine archäologischen römischen Funde in Utting. Zwischen Utting und 86938 Schondorf [Landkreis Landsberg am Lech] gab es zwei Villae Rusticae. Wir wissen aber nicht, wie sie an das römische Straßennetz angebunden waren.

Auffällig sind die Körpergräber der römischen Kaiserzeit[9] die südlich von Greifenberg gefunden wurden. Es würde nicht überraschen, wenn diese Gräber an einem römischen Weg lagen. Falls es ihn gab, hätte er in Greifenberg den einzigen Durchbruch die Hangkante hoch nehmen müssen (heute: Bergstraße und Valloch). Knapp nördlich der römischen Gräber hätte der Weg die Windach gequert und wäre dann in der heutigen Moraschstr. weiter verlaufen.

Es gibt trotzdem keinerlei Nachweis einer Nord-Süd-Römerstraße am Westrand des Ammersees.

Irmtraut Heitmeier vermutet[10] einen „mittelalterlichen Weg, der vom Westufer des Ammersees über Beuern und Türkenfeld nach Norden führte“. Das entspräche der heutigen Kreisstraße FFB 3. Ohne weitere archäologische Funde muß es Spekulation bleiben, ob es diesen mittelalterlichen Weg tatsächlich gab und ob er gar eine römischen Vorgängerweg hatte.

Aussage #2
Ost-West-Römerstraße

Freiherr von Perfall verweist in erster Linie auf die 30 Jahre zuvor erschienenen Ausführungen von Pall von Pallhausen. Die sind aber sehr unklar und es nicht ersichtlich auf welcher Quellenlage Pallhausen argumentiert. Immerhin gibt er an, daß in 86929 Stillern (nicht zu verwechseln mit 82399 Stillern (Raisting) [Landkreis Weilheim-Schongau], wo definitiv eine Römerstraße (Epfach)-Rott-Raisting durch lief) ein römischer Meilenstein gewesen sei. Da er nichts weiter dazu schreibt, dürfte es ein Hörensagenhinweis sein. Womöglich liegt auch eine Verwechslung vor mit der kaiserzeitlichen Siedlung mit Körpergräbern 800 Meter nördlich von 86929 Stillern.

Es ist nicht auszuschließen, daß es eine Römerstraße von Landsberg am Lech nach Stegen gab (und womöglich weiter über Argelsried nach Germering). Womöglich liegt sie unter der späteren Chaussee und heutigen Autobahn München-Lindau. Archäologisch nachgewiesen ist aber nur

  • eine römische Brücke bei 82266 Stegen (Inning am Ammersee) [Landkreis Starnberg]



Abbildung 5 Uraufnahme von Stegen mit römischer Brücke.
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0 mit Daten der und Bodendenkmalskarte des Bayerisches Landesamtes für Denkmalpflege]

  • kaiserzeitliche Körpergräber südlich von 82279 Eching am Ammersee [Landkreis Landsberg am Lech] und
  • die kaiserzeitlichen Gräber bei 86929 Stillern

Die Verteilung der römischen Bodendenkmäler legt durchaus eine Verbindung zwischen Landsberg am Lech und Gauting nahe – ein Beweis ist das aber nicht.

Abbildung 6 Römische Bodendenkmäler zwischen Landsberg am Lech und Gauting (die lila Strecke nicht gesichert und kein Bodendenkmal)

Aussage #2.a
Schlechtwiesen

„Spuren hiervon finden sich eine halbe Stunde von Greifenberg auf der sogenannten Schlechtwiese

Zwischen Windach und Neugreifenberg führt tatsächlich ein schnurgerader alter Weg (namens „Schlechtwiesenstraße“). In der Uraufnahme war es ein Fußweg, der von Unterwindach nördlich an der Burg Windach vorbei führte und nach Greifenberg ging. Nach einer Windach-Überquerung mündete er in die Chaussee.

Abbildung 7 Schlechtwiesenweg zwischen Windach und Greifenberg.
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0 mit Bodendenkmalskarte des Bayerisches Landesamtes für Denkmalpflege]

Aussage #2.b
Schöffelding

„Spuren […] zwischen Unterwindach und Scheffelding links der Landstraße“

„Links“ dürfte dann wohl „südlich“ meinen.

Hier ist leider völlig unklar, was Freiherr von Perfall damit gemeint hat.

Östlich von 86949 Weghäusl (Windach) [Landkreis Landsberg am Lech] hätte er ein Hohlwegbündel im „Hinterwald“ sehen können. Aber das muß nicht römisch sein.

Abbildung 8 Hohlwegbündel östlich von Weghäusl
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0]

Aussage #3
Achselschwang

Die Beschreibung „zwischen 86949 Oberwindach [Landkreis Landsberg am Lech] und 86923 Finning [Landkreis Landsberg am Lech]“ meinte nicht die Luftlinie, sondern die damalige Wege, die über 86919 Achselschwang (Utting am Ammersee) [Landkreis Landsberg am Lech] führten.

Südöstlich von Achselschwang gibt es eine latènezeitliche Viereckschanze, die früher oft den Römern zugeordnet wurde.

Aussage #4
Burg bei Unterwindach

Die „sogenannte Burg bei Unterwindach“ gibt Rätsel auf. Vermutlich meinte er den Burgstall[11] des hohen und späten Mittelalters in 86949 Mitterwindach [Landkreis Landsberg am Lech] – östlich von Unterwindach.

Abbildung 9 Relief des Burgstalls von Windach
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0]

Da aber Freiherr von Perfall selbst auf einer Burg wohnte, müßte ihm doch aufgefallen sein, daß die Anlage mustergültig mittelalterlichen Burgen entspricht. Diese Burg konnte er eigentlich nicht als Ausweis römischer Präsenz in der Gegend bringen.

Aussage #5
Burgholz

Bei der „Römerschanze bei dem Einödhof Burgholz“ dürfte es sich um die frühmittelalterliche Abschnittsbefestigung[12] östlich von 82299 Burgholz (Türkenfeld) [Landkreis Fürstenfeldbruck] handeln.

Abbildung 10 Relief der Befestigungsgräben von Burgholz
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0]

Die Zuschreibung zu den Römern wirkt etwas willkürlich.

Aussage #6
Aumühle

Die „römischen Grabhügel im Walde Weingarten nahe der Aumühle“

Die hallstattzeitlichen Grabhügel südlich von 86938 Aumühle (Schondorf am Ammersee) [Landkreis Landsberg am Lech] sind noch heute gut erhalten[13].

Abbildung 11 Hügelgräber bei 86938Aumühle
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0]

Freiherr von Perfall wußte noch nicht, wer in den Grabhügeln bestattet war. Die umfangreichen Grabungen von Dr. Jakob Reitinger und Freiherr Ferdinand von Andrian-Werburg fanden erst später statt. Sie werden aus heutiger Sicht als problematisch gesehen – sie lieferten aber immerhin die Erkenntnis, daß nicht Römer sie aufhäuften, sondern Kelten. In der amtlichen topographischen Karte von 1923 wurden die Grabhügel aber noch 1923 als „Römer Gräber“ tituliert.

Aussage #7
Bühel

Die „Reste römischer Bauten am Ufer des Ammersees am sogenannten Bühelt“ sind schwer zu lokalisieren. „Bühelt“ meint ein Gebiet mit mehreren Hügeln. Nördlich des Ammersees trifft man meist auf den Begriff „Berg“, westlich des Ammersees werden die Hügel standardmäßig „Bühel“ genannt.

In der Nähe des Ammersees kommen vor allem Reisenbühl und Hühnerbühl zwischen 86938 Schondorf am Ammersee [Landkreis Landsberg am Lech] und 86919 Utting am Ammersee[Landkreis Landsberg am Lech] (im „Eichet“) in Frage. Dort wurden gefunden

  • eine Villa Rustica der römischen Kaiserzeit[14] direkt am Ufer
  • eine Villa Rustica der römischen Kaiserzeit[15] abgesetzt 250 m westlich

Gut denkbar, daß Freiherr von Perfall eine dieser Fundstellen meinte.

Abbildung 12 Hühnerbühl und Reisenbühl bei zwei römischen Villae Rusticae zwischen Schondorf und Utting.
[Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung. CC BY 4.0 mit Daten der und Bodendenkmalskarte des Bayerisches Landesamtes für Denkmalpflege]

Literatur

Pall von Pallhausen, Vinzenz. Boioariae Topographia Romano-Celtica, od. Baiern, wie es in den ältesten Zeiten war / 1. Römerstraße von Verona nach Augsburg : Nebst 7 Strassenkärtchen und 5 Abbildungen merkwürdiger Antiken. Boioariae Topographia Romano-Celtica, od. Baiern, wie es in den ältesten Zeiten war. 1816. https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-MDZ-00000BSB10721645?cq=&p=1&lang=de.

  1. https://hdbg.eu/biografien/detail/dr-max-freiherr-von-perfall/7035


  2. Wilhelm Leibl, Max Freiherr von Perfall, 1877/78, Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek, CC BY-SA 4.0


  3. Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek Porträt- und Ansichtensammlung , PDM 1.0


  4. Dieser Name moͤchte wohl von vallis, Thal, und dem alten Loh, Wald, herruͤhren


  5. Spuren hiervon finden sich eine halbe Stunde von Greifenberg auf der sogenannten Schlechtwiese und zwischen Unterwinbach und Scheffelding links der Landstraße.


  6. Vinzenz Pall von Pallhausen, Boioariae Topographia Romano-Celtica, od. Baiern, wie es in den ältesten Zeiten war / 1. Römerstraße von Verona nach Augsburg : Nebst 7 Strassenkärtchen und 5 Abbildungen merkwürdiger Antiken, Boioariae Topographia Romano-Celtica, od. Baiern, wie es in den ältesten Zeiten war (1816), 263, https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-MDZ-00000BSB10721645?cq=&p=1&lang=de.


  7. den Pall von Pallhausen, Boioariae Topographia Romano-Celtica, od. Baiern, wie es in den ältesten Zeiten war / 1. Römerstraße von Verona nach Augsburg : Nebst 7 Strassenkärtchen und 5 Abbildungen merkwürdiger Antiken als gesichert unterstellt – wenn auch ohne nachprüfbare Belege.


  8. Weiße, tonhaltige Erde von der Insel Samos


  9. Bodendenkmal D-1-7932-0018


  10. E-Mail vom 19.04.20 an Ulrich Bähr


  11. Bodendenkmal D-1-7932-0047


  12. Bodendenkmal D-1-7932-0001


  13. Hinweis für Grabräuber: ALLE Grabhügel in der Gegend sind schon seit 200 Jahren geöffnet und gründlich nach Wertgegenständen durchwühlt worden!


  14. Bodendenkmal D-1-7932-0029


  15. Bodendenkmal D-1-7932-0102


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