Staatsbibliothek München

Handschr. Abt. Clm 1052 Laufzeit 1205

transkribiert, übersetzt von Dr. Walter Kick und Anton Haschner am 22.11.2006

Bibliographische Angaben

Betreff

Dem Chunradus mit Beinamen Schoberlin wird das kirchliche Begräbnis verweigert. Seine Schwestern übergeben dem Kloster Scheyern einen Hof in Stockach / Gmd. Pfaffenhofen an der Glonn um den Abt und den Bischof umzustimmen.

Originalurkunde
Originalbuch

Laufzeit: 1205

Signatur: Staatsbibliothek München / Handschr. Abt. Clm 1052

Seite: 1 Seite mit zwei Spalten

Transkription: aus dem Latein von Dr. Walter Kick, Dachau

Übersetzung: durch Dr. Walter Kick, Dachau und Anton Haschner, Indersdorf

Übersetzungen auch durch Michael Stephan: Die Traditionen des Klosters Scheyern, 1986 Band I Seite 101/102

Transkription

Blatt 1 links

Innotescat omnibus christianis fidelibus

quod quodam (!) de ministerialibus ducis

Ludwici spirandi munus perdente

et ecclesiastica sepultura carente. . Chun-

rado videlicet cognomine scho-

berlin sorores ipsius quondam proprium

virum nomine Engelbertum cum

filiis duobus loco nostro tradiderunt.

ea condicione ut dominus abbas chun-

radus fratri defuncto succurreret

insepultura. Quod et factum est.

Nam ad episcopum frisingensem

inclusus dyecesi tenebatur abbas ac

cedens ipsius ecclesiasticam sepultu-

ram ut moris est optinuit et ba-

no alligatum absolvit et aput

nos sepulturam accepit. Itaque

sorores ipsius defuncti fratris quar-

rum nomina haec sunt: Maehtilt

Benedicta, Gertrud Pert-

Blatt 1 rechts

tha, Uluit (?) Gisila, Willi-

burch, acceptis a domino abbate

chunrado et fratribus, eis 10 talentas

praedia Sepach , Huningen

Stocha dicta sine omni contradictione

tradiderunt et ut moris est nihilominus

praesentibus honestis personis abdica-

vere. Acta sunt hoc anno dominicae

incarnationis MCCV alia parte flu-

minis eni prope castrum puren (Beuern).

Testes qui interfuerunt huic tradicioni

qui viderunt et audierunt subterno-

tantur.

Henricus Freiherr von Paigin

Arnoldus de Flinspach,

Lalarius de Poeta.

Henricus cholb,

Siboto de Chlamminstain

Liebbardus Spiegel,

Wernherus de Holzhusen,

Hans (?) de (?),

Wernherus de (?),

Henricus Engilprecht Ruprecht de Phafinge,

Bruno de Schyren,

Ebuu de Linden,

Chunradus Diepolds,

Henricus etiam abbates (?) Chonradus superior (?)

Heinricus de Lintha,

Eberhardus de Horenbach,

et alii quidam plures.

Übersetzung

Blatt 1 rechts und links

Es sei allen Christgläubigen kundgetan, daß ein Ministeriale (Untertan) des Herzogs Ludwig sein Leben (Lebensgeschenk) aushauchte und daß ihm das kirchliche Begräbnis verweigert wurde, einem Chunradus nämlich, mit Beinamen Schoberlin.

Seine Schwestern haben dann einen eigenen (=aus ihrem Besitz) Mann namens Engelbert samt seinen zwei Söhnen unserem Standort (dem Kloster als Leibeigene) übergeben, mit der Übereinkunft, daß der Herr Abt Chunradus dem verstorbenen Bruder zu Hilfe komme hinsichtlich eines kirchlichen Begräbnisses.

Das geschah dann auch: Denn weil zur Diözese gehörig, wandte sich der Abt an den Freisinger Bischof und setzte es durch, dem kirchlichen Begräbnis zuzustimmen, und wie es Sitte ist, hielt der Bischof daran fest und absolvierte den im (Reichs- oder Kirchen-)Bann gebundenen und willigte in das Begräbnis bei uns ein. Daher haben die Schwestern, – deren Namen lauten: Maehtilt, Benedicta, Gertrud Pertha, Uluit (?) Gisila, Willibirch – , mit Wohlwollen des Herrn Abtes und seiner Mitbrüder – , ihnen (dem Abt und seinen Mitbrüdern) 10 Talente,

die Güter Sepach, Huningen – genannt Stocka –übergeben ohne jeglichen Einspruch und, wie es Sitte ist, verzichteten sie ebensowohl vor den anwesenden Honorationen.

So ist es geschehen im Jahr der Incarnation des Herrn anno MCCV (1205), auf der anderen Seite des Flußes Inn in der Nähe des Castrums Puren (Beuern).

Zeugen, die hier bei der Übergabe dabei waren

und die es gesehen und gehört haben, werden unten aufgeführt:

Henricus Freiherr von Paigin

Arnoldus de Flinspach, (Flintsbach)

Lalarius de Poeta.

Henricus cholb,

Siboto de Chlamminstain, (Klammenstein)

Liebbardus Spiegel,

Wernherus de Holzhusen, (Holzhausen)

Hans (?) de (?)

Wernherus de (?)

Henricus Engilprecht Ruprecht de Phafinge (Pfaffing)

Bruno de Schyren, (Scheyern)

Ebuu de Linden,

Chunradus Diepolds,

Henricus und die Äbte Chonradus, wie oben (?).

Heinricus de Lintha, (Lindach)

Eberhardus de Horenbach (Haarbach),

und noch etliche mehr.

Erläuterungen

Von Dr. Walter Kick und Anton Haschner

Zur Urkunde

Die Stockacher Urkunde ist inhaltlich für uns (die Region!) interessant, weil von einem Ministerialen Herzogs Ludwigs die Rede ist.

Wahrscheinlich war der König Philipp im Kirchenbann, und somit automatisch Herzog Ludwig und in Folge auch sein Ministeriale Konradus, genannt Schöberlin.

Dieser ist im Jahr 1205 verstorben mit der Verweigerung des kirchlichen Begräbnisses. Die Schwestern des gebannten Verstorbenen haben um „Schönwetter“ angehalten beim Abt Konrad von Scheyern durch Schenkung eines Leibeigenen samt seiner Kinder, damit sich der Abt der Angelegenheit annehme.

Weil zur Diözese gehörig, wandte er sich an den Bischof von Freising, dieser löste den Bann und der Arme konnte beerdigt werden. Als Dank dafür gaben die Schwestern eine reiche Spende mit Gütern in Stockach und 10 Talente für das Kloster.

Zum Inhalt

Hinzugefügt durch Christa Liebert

König Philipp, geb. 1177 wurde vom Papst Cölestin wegen seiner früheren Übergriffe auf Kirchengut exkommuniziert. Am 21.6.1208 wurde er ermordet in Bamberg. 1213 wurde er überführt nach Speyer – Kaisergruft im Dom.

Aus Michael Stephan: Die Traditionen des Klosters Scheyern: Band I Nummer 105.

Von dem Beinamen Soberlin leitet Meixner, Ortsnamen S. 65, den Hausnamen „Schober“ in Aising (Lkr. Rosenheim) her (vgl. HAB 17, 134

…… die genannten Schwestern übertragen deshalb für zehn Talente ihren Besitz in Seebach, Hauning und Stockach ( alle GB Kufstein )

Chr. Liebert: GB bedeutet Grundbesitzer

Hinzugefügt durch Dr. Walter Kick

Das kirchliche Begräbnis ist offensichtlich wie ein Schlüssel ins Himmelreich… Es klingt nach: `was ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein ….` Ein irdischer Akt hat transzendente Folgen …..

5 Faksimile

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